Im Dienst an der Versöhnung

Rottenburg/Stuttgart. 21. März 2017. In einem Gottesdienst in der Domkirche St. Eberhard hat Bischof Gebhard Fürst seinen Weihbischof Johannes Kreidler (70) verabschiedet. Beide Bischöfe zelebrierten am Dienstag gemeinsam am Altar. Viele Jahre habe Kreidler in dieser Kirche die christlichen Hochfeste mit den Gläubigen gefeiert und für sie gepredigt. Bischof Fürst stellte in den Mittelpunkt seiner Predigt den Gedanken der Versöhnung, in Anlehnung an Kreidlers Bischofswahlspruch „Im Dienst der Versöhnung“. Versöhnung zu stiften und den Dienst der Versöhnung aneinander zu tun, „daran hat uns Weihbischof Kreidler sein ganzes Priesterleben erinnert", sagte der Bischof und dankte ihm für dieses Zeugnis. Domkapitular Matthäus Karrer löst Kreidler in der Funktion des Weihbischofs ab. Er wird am 28. Mai zum Bischof geweiht.

Bischof Fürst würdigte seinen langjährigen Weihbischof als Priester und Seelsorger, der Menschen nahe sei und sein wolle. Kreidler habe ein waches Gespür für Menschen in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen. „Seine Gabe zu hören und zu verstehen zeichne ihn in besonderer Weise aus“, betonte Bischof Fürst. Kreidler lasse sich Gott und den Menschen zuliebe leidenschaftlich in den Dienst nehmen. Sein beharrliches Mühen um Verständigung und Ausgleich drücke sich in seinem Bischofswahlspruch „Der Versöhnung dienen“ treffend aus. Weihbischof Kreidler sei als Theologe tief geprägt vom Geist nachkonziliarer Theologie und von einer daraus geformten Spiritualität, so Bischof Fürst.

Weihbischof Kreidler dankte beim anschließenden Empfang im Haus der Katholischen Kirche den Stuttgarter Katholiken für die wohlwollende Aufnahme, die er dort über die Jahre erlebt habe. Seine ersten Predigten in St. Eberhard habe er mit zitternden Knien gehalten, unsicher, ob ein "Bub vom Land in der Stadt Aufnahme fände", erinnerte sich Kreidler. Er habe die Stuttgarter stets als offen und veränderungsbereit erlebt, nicht zuletzt, als es um den Erneuerungsprozess "Aufbrechen" ginge. Dies sei gut so, denn "die Zeit erfordert immer wieder Wandel und Wandlung", sagte Kreidler.

Der in Grünmettstetten bei Horb geborene Geistliche wurde 1972 zum Priester geweiht und 1991 zum Weihbischof der Diözese ernannt. Zuvor war Kreidler Bischöflicher Sekretär der beiden Bischöfe Carl-Josef Leiprecht und Georg Moser, anschließend Repetent am Tübinger Wilhelmstift. Von 1980 bis 1985 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Dogmatik, im Anschluss daran wurde er bei Professor Walter Kasper in Tübingen zum Doktor der Theologie promoviert. Vor seiner Ernennung zum Weihbischof war Kreidler fünf Jahre Regens des Rottenburger Priesterseminars.

Nach der Berufung von Bischof Kasper nach Rom leitete er die Diözese ein Jahr kommissarisch. Seit 2004 ist er in der Diözese verantwortlich für die Bereiche Liturgie, Kunst und Kirchenmusik. Für Kreidler ist eine festlich gestaltete Liturgie mit Sensibilität für Sprache, Symbolik und Musik zentral für eine Kirche, die missionarische Strahlkraft besitzen will. Der Dialog zwischen Kirche und Kunst rege ihn immer wieder neu zu Fragen und Antworten an, sagt er.