"Im Dienst der Menschen"

Nach dem Um- und Neubau nach Entwürfen und unter der Leitung des Stuttgarter Architektenbüros Lederer Ragnarsdottir Oei (LRO) können die meisten der 320 Ordinariatskollegen nun unter einem Dach arbeiten; vor Sanierung und Umbau war etwa die Hälfte von ihnen auf 19 Dienststellen in der Stadt verteilt. Von diesen 19 Stellen sind jetzt 8 im neuen Ordinariat integriert. "Dieses Gebäude steht für den Dienst der Diözese an den Menschen", sagte Generalvikar Clemens Stroppel am Dienstag vor Journalisten in Rottenburg. Er sei froh, dass eine vor Jahren diskutierte eine Verlegung der Kurie nach Stuttgart nicht umgesetzt worden ist. "Das Ordinariat in dieser Stadt symbolisiert die Wiege unserer Diözese", betonte Stroppel.

Geplant wurde seit 1997 für das Projekt, das vor allem den Neubau des von Feuchtigkeit und Schimmel befallenen Archivs, die Sanierung des benachbarten Rohrhalder Hofs und den Umbau des alten Jesuitenkollegs verfolgte. Ursprünglich waren 36,5 Millionen Euro für die Sanierungs- und Neubaumaßnahme veranschlagt worden, für die der Diözesanrat als Haushaltsgremium seit Jahren Rücklagen gebildet hatte. Einstimmig genehmigte er nach intensiven Beratungen in Ausschüssen und Plenum die nach ökologischen und nachhaltigen Kriterien im Interesse einer schöpfungsfreundlichen Kirche umgesetzte Baumaßnahme. Mehr als ein Viertel der Kosten, so die Baufachleute, machten besondere Maßnahmen aufgrund des Denkmalschutzes aus. Mehrkosten entstanden durch nicht vorherzusehende Schäden durch den Zahn der Zeit, so an Deckenbalkenköpfen oder an der Bausubstanz des Rohrhalder Hofs. So beliefen sich letztlich die gesamten vom Diözesanrat bewilligten Baukosten auf 39 Millionen Euro. Allein durch verrottete Decken waren 2,1 Millionen Euro Mehrkosten entstanden, der Rohrhalder Hof schlug mit einem Kostenplus von 600.000 Euro zu Buche.

Generalvikar Stroppel hob am Dienstag hervor, das sanierte Ordinariatsgebäude bedeute ein klares Bekenntnis zu Rottenburg als Bischofsstadt. Auch die Stadt selbst profitiere für ihr Erscheinungsbild von Sanierung, Um- und Neubau. Die Mitarbeiter wiederum könnten ihre modernen Arbeitsplätze in einem ansprechende Gebäude als Zeichen der Wertschätzung sehen, das sie für den täglichen Dienst an den Menschen in Land und Diözese motivieren solle. Der Generalvikar erinnerte daran, dass die Archivmitarbeiter vor der Sanierung wegen Schimmelbefalls in den Räumen unter Tage ständig mit Mundschutz arbeiten mussten. Nach der Sanierung des Archivs könnten die Mitarbeiter nun am Tageslicht arbeiten; die bis zuletzt ausgelagerten Archivalien seien jetzt im Ordinariat gut aufgehoben. Darunter befinden sich etwa Akten über den Bekennerbischof Joannes Baptist Sproll und viele weitere kostbare zeitgeschichtliche Dokumente. Die Büroräume im gesamten Ordinariatsgebäude, seit den 1960er Jahren in unverändertem baulichem Zustand wurden ebenso auf heutigen Stand gebracht wie die Heiz- und Energietechnik.

Das historische Renaissanceportal an der Fassade des Ostflügels wurde wieder hergestellt und als Gedenkstätte für Bischof Sproll gestaltet. Das Architektenbüro LRO, das im Wettbewerb 2002 überzeugt hatte, konnte sein erklärtes Ziel umsetzen, den Baukörper ins Stadtbild von Rottenburg zu integrieren. Zur Sanierung des ehemaligen Jesuitenkollegs aus der Renaissancezeit und des barocken Rohrhalder Hofs kam eine einladende Eingangshalle neu hinzu. Sie nimmt in ihrer Gestaltung die Grundmauern der vor über 200 Jahren abgerissenen Jesuitenkirche auf.

Architekt Arno Lederer wies auf historische Baupläne hin, die seinem Büro als Grundlage für die Entwürfe zum aktuellen Umbau des Ordinariatsgebäudes dienten. Beobachte man die Jahrtausende alte Architekturgeschichte, so falle auf, dass es trotz wechselnder Stile eine Art von Kontinuität gebe, bei der das Neue immer auf der Grundlage des Alten entsteht. Das Ordinariat nach dem Plan von 1774 zeige eine Komposition, so Lederer, die in sich eine städtebaulich harmonische Figur darstelle. Dieser Plan sei Basis der aktuellen Gestaltung gewesen. Der Architekt betonte, dass die Stadtbilder der christlichen Gesellschaft schon immer durch Kirchengebäude ihre Prägung erhalten hätten. Die Schönheit von Bischofsstädten rühre „von einer Bautätigkeit, die durch den Stolz geprägt war, mit den Bauwerken der Bedeutung von Kirche und Religion sichtbaren Ausdruck zu verleihen“.

Der Sprecher des Diözesanrates, Johannes Warmbrunn, hob hervor, das gesamte Projekt sei in allen Phasen vom demokratisch legitimierten Haushaltsgremium entscheidend begleitet worden. Der Diözesanrat habe 2008 einen Kostenrahmen von 36,5 Millionen Euro einschließlich des Aufwands für unumgängliche archäologische Rettungsgrabungen genehmigt. Zu dieser Zeit seien bereits 16 Millionen Euro zweckgebunden angespart gewesen, zu denen in den Haushaltsjahren 2008 bis 2011 je 5 Millionen Euro hinzu kamen. Warmbrunn betonte, durch das Bauprojekt sei den Kirchengemeinden kein finanzieller Schaden etwa durch geringere Zuweisungen entstanden, da die Mittel zum Bau dem Kirchensteueranteil der Diözese entnommen wurden.

„Durch längeres Zuwarten wären drastische Kostensteigerungen zu erwarten gewesen“, sagte der Diözesanratssprecher. Die Beteiligung des Gremiums nannte er „ein Musterbeispiel für gelungene Partizipation demokratisch legitimierter Gremien“. Mit Blick auf die Kostensteigerung sagte er, sie gehe ausschließlich auf unerwartete Schäden an denkmalgeschützten Teilen zurück. Sie nehme sich zudem „mit derzeit weniger als zwei Prozent im Vergleich zu den Baukostenüberschreitungen anderer öffentlicher Gebäude als geradezu bescheiden aus“.

lnsgesamt stehe das Ordinariatsgebäude, so das Fazit von Generalvikar Stroppel, "für den Dienst der Menschen, die dort arbeiten, an den Menschen in den mehr als 1.000 Kirchengemeinden der Diözese". Das Leistungsspektrum reiche von Beratung und Begleitung auf den vielen Feldern, auf denen sich Gemeinde, Seelsorgeeinheit und Dekanate engagieren, über die Verwaltung von Einrichtungen und Gebäuden bis zur Gehaltsabrechung für die Mitarbeiter. "Dieses Ordinariatsgebäude dient keinem Selbstzweck, sondern bedeutet Selbstverpflichtung."

Hinweis: Offiziell eingeweiht wird das neue Bischöfliche Ordinariat am 12. Juli;
am 13. Oktober wird es einen Tag der Offenen Tür geben.