„Im Geist der Verständigung und der Gerechtigkeit“

Wie vor 2.000 Jahren könne dieser Geist auch heute Menschen verschiedener Sprachen, Kulturen und Weltanschauungen miteinander ins Gespräch bringen und zu einem Miteinander in gerechten Verhältnissen führen, teilte der Bischof vor dem Pfingstfest mit. „Die in der biblischen Apostelgeschichte beschriebenen Geistzungen können auch heute Menschen heilvoll befeuern.“ Der moderne Mensch brauche diese Geistesgegenwart genauso wie Menschen früherer Zeiten.

Keine gute Zukunft erwarte den Menschen, wenn er auf sich selbst zurückgeworfen sei, betonte Bischof Fürst. Statt um ideologische Grabenkämpfe in Politik, Gesellschaft und Kirche gehe es um Suchen im Heiligen Geist nach den Zeichen Gottes in der Gegenwart. Christen heute seien in der geistvollen Spur der Propheten mit deren Kritik an ungerechten sozialen Verhältnissen auf gutem Weg. Auch heute würden mit gefälschten Maßen Arme ärmer gemacht, Menschen ohne Privilegien von Privilegierten schamlos ausgenützt und Schwache von Starken an den Rand gedrängt. Jesus habe sich in die Tradition prophetischer Sozialkritik gestellt, sagte der Bischof. „Aus dem prophetischen Geist Jesu kann Lebenskraft wachsen für die Zerschlagenen unserer Zeit.“ Dies erfordere eine geänderte Mentalität.

Uwe Renz

 

Der Bischof warnte davor, den Heiligen Geist zu vergessen und stattdessen dem Ungeist in vielfältigen Formen zu frönen. Als Beispiel für Gottes- und Geistvergessenheit nannte er eine aktuell unter Fußballfans kursierende Verballhornung des Vaterunsers mit Zeilen wie „Lieber Fußballgott, dein Ball komme, dein Spiel geschehe. Unsere Tore gib uns heute, und vergib uns unsere Fouls, wie auch wir vergeben den Schiedsrichtern…“ Wache Christen hätten ein Gespür davor, wie geistlos ein solches Machwerk sei.

 

 

Das Pfingstfest erinnere an die Geburtsstunde der Kirche, unterstrich der Bischof. Im Geist Gottes könne sie lebendig bleiben und attraktiv ausstrahlen. Er sei trotz mancher aktueller Sorgen um die Kirche zuversichtlich, sagte Bischof Fürst, dass der Geist Gottes auch heute und künftig die Menschen beleben und zum diakonischen Handeln anstiften werde. Unter anderem der zurückliegende Katholikentag in Mannheim mit seiner ganzen Vielfalt habe ihn in dieser Zuversicht neu bestärkt.

 

 

Hinweis an die Redaktionen: Bischof Fürst hält am Pfingstsonntag einen Gottesdienst mit Predigt um 10 Uhr in der Stuttgarter Domkirche St. Eberhard und um 18 Uhr eine ökumenische Pfingstvesper mit Landesbischof Frank Otfried July in der Stuttgarter Stiftskirche, in der er auch predigt. Am Pfingstmontag hält Bischof Fürst auf dem Bussen, dem heiligen Berg Oberschwabens, um 10.30 Uhr einen Wallfahrtsgottesdienst.