„Im guten Geist christlicher Sensibilität“

In einer zunehmend vom Ungeist bloßer Ökonomisierung geprägten Zeit könnten sie in einem „guten Geist christlicher Sensibilität heilsame Gegenakzente setzen, Toleranz lehren und Weitherzigkeit fördern“, sagte der Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Pfingstsonntag im Rottenburger Dom in seiner Predigt. Der aus Christus sprechende Geist Gottes fordere, Verantwortung für das Leben zu übernehmen und es begeistert zu gestalten.

Diese christliche Geistestradition sei in das jetzt 60 Jahre alte bundesdeutsche Grundgesetz eingeflossen, „in die beste Verfassung, die wir je hatten“, so der Bischof. Christinnen und Christen hätten „Verantwortung für die Gesellschaft in Deutschland, aber auch in Europa“. Mit ihrer Teilnahme an der Wahl zum Europäischen Parlament könnten sie „ein bewusstes Zeichen setzen, dass uns gerade als Christen nicht egal ist, in welcher Gesellschaft wir leben und von welchem Geist sie geprägt ist“.

Bischof Fürst betonte, der Geist Christi entmündige nicht. Er fordere im Gegenteil dazu heraus, Leben und Handeln so zu gestalten, dass er darin spürbar ist. „Gehen wir als die von seinem Geist Begabten selbst zu den armen, zu den unfeinen und ungebildeten Leuten, trösten die Traurigen und hoffnungslos Gescheiterten, begegnen den geplagten Leuten heilsam“, sagte Bischof Fürst.

An Pfingsten feiern die Christen das Fest des Heiligen Geistes, den Geburtstag der Kirche. Damit endet die 50-tägige Osterzeit. Das Wort Pfingsten kommt von "Pentekoste", dem griechischen Wort für "fünfzig". Der Heilige Geist ist mit Gott Vater und Gott Sohn die dritte Person der heiligen Dreifaltigkeit. Die Bibel versteht den Heiligen Geist als schöpferische Macht allen Lebens. Er ist nach kirchlicher Lehre in die Welt gesandt, um Person, Wort und Werk Jesu Christi lebendig zu erhalten. Historisch gesehen ist das Pfingstfest auch ein Frühlingsfest. Bräuche, die mit Wachsen, Blühen und Wiedererwachen der Natur zu tun haben, tauchen vor dem herannahenden Sommer noch einmal auf. Flurumritte, Grenzabschreitungen und Prozessionen sollen der neuen Saat Heil und Segen bringen.