Kultur

Im wahrsten Sinne ein Segen

Foto: Adele-Winter-Stiftung

Eine Stuttgarterin, die Adele-Winter-Stiftung und die Kirche unterstützen Künstler und verhelfen zu bezahlten Auftritten im Rahmen von Gottesdiensten.

Die Pandemie hat viele freischaffende Künstler hart getroffen: Seit Monaten haben sie keine Auftrittsmöglichkeiten und damit auch keine Einnahmequellen. Um die Musikerinnen und Musiker unbürokratisch und schnell zu unterstützen, haben sich eine Stuttgarterin, das katholische Regionalkantorat und die Adele-Winter-Stiftung zusammengetan, um den Künstlerinnen und Künstlern zu bezahlten Auftritten im Rahmen von Gottesdiensten zu verhelfen. Gefreut haben sich auch die Gottesdienstbesucher, die in Zeiten, in denen sie selbst nicht singen dürfen, in den Genuss von schöner Musik kamen.  

Die freiberufliche Sopranistin und Pianistin Alessandra Marten ist in den vergangenen Monaten mit einem kleinen Ensemble in mehr als 20 Gottesdiensten in Stuttgart zu hören gewesen, unter anderem in Botnang, Vaihingen, Giebel, Ober- und Untertürkheim, Sillenbuch, Degerloch und Feuerbach. Die Absolventin der Stuttgarter Musikhochschule hat die Auftritte wie sie selbst sagt, „im wahrsten Sinne des Wortes als Segen“ erlebt. „Der Empfang war immer äußerst warmherzig und kooperativ“, erzählt die Halbfranzösin. Mal lag der Schwerpunkt mehr auf A-Cappella-Vokalwerken, mal mehr auf dem Instrumentalen oder auch auf traditionell musizierten Arien – jedenfalls immer passend zur Thematik des Gottesdienstes. „Die Auftritte haben uns zusammengeschweißt und auch mental durch die sonst so öde und deprimierende Zeit getragen“, sagt Alessandra Marten. Oft sei sie gerührt gewesen von der Reaktion der Gottesdienstbesucher, die klargemacht hätten, wie schmerzlich sie Musik vermissen. In den Gemeinden, denen es sonst finanziell nicht möglich ist, ausgebildete Musikerinnen und Musiker einzuladen, sei die gegenseitige Verbundenheit besonders stark zu spüren gewesen, erzählt die Sängerin.

Schnelle unbürokratische Hilfe für freischaffende Musikerinnen und Musiker

Möglich gemacht hat die Auftritte von Alessandra Marten und ihren Kolleginnen eine Kooperation zwischen der Adele-Winter-Stiftung mit ihrem Projekt „CLANG!Live“ und dem katholischen Regionalkantorat. Die Stuttgarter Kirchengemeinden konnten sich beim Regionalkantorat in St Fidelis melden, vermittelt wurden ihnen feste Ensembles aus freischaffenden Künstlerinnen und Künstler, die dann mit Musikstücken passend zum Kirchenjahr in verschiedensten Gottesdiensten zu hören waren. Die Gagen für die Künstler übernahm die Adele-Winter-Stiftung.

Auf diesem Wege kamen in den vergangenen Monaten 73 Auftritte in 21 Stuttgarter Gemeinden zustande. Vermittelt wurden insgesamt zehn unterschiedliche Ensembles. In dieser Woche geht das Projekt „CLANG!Live“ in die dritte Phase, in der sich wiederum Ensembles und Gemeinden beim Regionalkantorat in St. Fidelis melden können. „Das Projekt hilft den Menschen: Zuhörern, selbständigen Musikern, verantwortlichen Kirchenmusikern und auch den Pfarrern. Und wir waren alle miteinander sehr schnell. Von der Idee über die ersten musikalischen Gottesdienste bis hin zur Auszahlung an die Musiker verlief alles im Rekordtempo, gut organisiert und unbürokratisch“, schwärmt Christoph Nowag, der Vorsitzende des Vorstandes der Adele-Winter-Stiftung. Von der Initiative begeistert ist auch Friederike Schauenburg-Klasen, die seitens des Regionalkantorats die Organisation übernommen hat: „Ich habe selten so viel positives Feedback bekommen, weil einfach alle Beteiligten profitiert haben.“

Anonyme Spenderin ermöglichte mehr als 80 Aufrtitte

Musikerinnen und Musiker unterstützt hat seit Beginn des Lockdowns auch eine Stuttgarter Bürgerin, die anonym bleiben möchte. Ihr Anliegen war es unter dem Stichwort „Solidarität durch Musik im Gottesdienst“ Menschen über die schwierige Pandemiezeit zu helfen. Ihre Spende hat mehr als 80 Auftritte in 21 Stuttgarter Gemeinden möglich gemacht. An die freischaffenden Musikerinnen und Musiker sind über die Initiative „Solidarität durch Musik im Gottesdienst“ sowie das Projekt „CLANG!Live“ bisher 45 000 Euro an Künstlerinnen und Künstler geflossen.

Ironischerweise bin ich nicht getauft – die letzte Zeit aber hat bei mir die Überlegung, diesen Schritt zu gehen, verstärkt. Denn was die Kirche hier an Hilfe geboten hat und auch sonst bietet, muss unbedingt gesehen und unterstützt werden.

Alessandra Marten ist dankbar für das Projekt der Adele-Winter-Stiftung, das ihr Auftritte, Einkünfte und die Begegnung mit dankbaren Menschen gebracht hat. Ihr Fazit: „Es war wirklich toll, wie Kirche, Kirchenmusik und Stiftung hier zusammenkamen. Die Stiftung hat quasi die Rolle einer Agentur übernommen und uns Musikern ermöglicht, Repertoire an mehreren Orten anzubieten. Ich finde es nach wie vor unglaublich, wie sich die Mitarbeiter der Stiftung für uns eingesetzt haben und wie Kirche und Musik hier Hand in Hand gegangen sind.“ Die Erfahrungen der letzten Monate haben bei Alessandra Marten einen Gedanken reifen lassen: „Ironischerweise bin ich nicht getauft – die letzte Zeit aber hat bei mir die Überlegung, diesen Schritt zu gehen, verstärkt. Denn was die Kirche hier an Hilfe geboten hat und auch sonst bietet, muss unbedingt gesehen und unterstützt werden.“

Nächste Auftritte im Rahmen von Gottesdiensten

Die nächsten Auftritte im Rahmen des Clang!Live Projekts finden vom 19. Juni bis 18. Juli in Stuttgarter Kirchen statt. Eine Übersicht aller musikalisch gestalteten Gottesdienste findet sich demnächst auf der Website der Adele-Winter-Stiftung unter www.clang-projekt.de/projekte/live/.

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