In der heutigen Zeit Potenziale der Hoffnung aufspüren


Dies hat der Rottenburger Domkapitular Rudolf Hagmann beim Dekanatstag des Dekanats Friedrichshafen am Samstag in Tettnang betont. In einem Vortrag zu dem Leitgedanken „Von der Volkskirche zu einer missionarischen Kirche im Volk“ im Tettnanger Gemeindezentrum St. Gallus sagte Hagmann: „Offen zu sein für die Zukunft bedeutet auch Trauerarbeit, das heißt die Bereitschaft, in den Wandel einzuwilligen und Abschied von manchen gewohnten Bildern der Kirche zu nehmen.“

Hagmann nahm Bezug auf die biblische Erzählung von der Begegnung des Apostels Paulus mit einer Frau Lydia, von der gesagt wird, sie sei „gottesfürchtig“ gewesen und Gott habe ihr Herz geöffnet, dass sie auf das achten konnte, was Paulus zu sagen hatte. Diese Reihenfolge, so Hagmann, sei entscheidend. Jeder Mensch sei auf der Suche und habe in irgendeiner Weise eine Geschichte mit Gott. Dies gelte es wahrzunehmen und zu achten, auch wenn es oft völlig anders aussehe, als man es in der Kirche gewohnt sei. Der Erfolg der Verkündigung sei auch keine Leistung der beauftragten Verkündiger. Vor jedem Handeln der Kirche und vor jeder kirchlichen Verkündigung handle Gott. Wenn er die Herzen der Menschen nicht berühren und öffnen würde, würde jede Verkündigung ins Leere laufen, betonte Hagmann. Allerdings sei es dann auch wichtig, das Evangelium kraftvoll und mit Mut zu vertreten und glaubwürdig zu leben. Maßstab für die Glaubwürdigkeit sei die Diakonie, die konkret verwirklichte Nächstenliebe. Erforderlich sei es aber auch, im Hinblick auf den eigenen Glauben „sprachfähig“ zu werden und eine „Ästhetik des Feierns“ wiederzuentdecken und zu pflegen, sagte Domkapitular Hagmann.