In der Nachfolge des Evangeliums „weltempfindlich“

Der Orden hatte sich seit seinem Bestehen die Sorge für hör- und sehbehinderte Kinder und Erwachsene zur Aufgabe gemacht. Heute betreut die aus dieser Tätigkeit in den Jahren 1991 bis 1993 hervorgegangene Stiftung St. Franziskus Heiligenbronn im Bereich der Behindertenhilfe, der Altenhilfe sowie der Kinder- und Jugendhilfe mit rund 1.250 Mitarbeitenden etwa 1.350 Menschen. Außerdem bildet sie an ihren Schulen junge Menschen in verschiedenen sozialen Berufen aus.

Bischof Fürst wies in seiner Predigt auf die Pietà von Heiligenbronn hin, ein spätmittelalterliches geschnitztes Gnadenbild, das den toten Jesus im Schoß seiner Mutter Maria zeigt. Maria erscheine darin als Vorbild der Kirche und der Christen in der Nachfolge. „Weit davon entfernt, alles verstehen zu können“, habe sie Auftrag Jesu, einander anzunehmen, empfangen. Sie habe sich aufgemacht „zu neuem Leben im Glauben und in der Liebe, die bereit ist, wahrhaft alles zu teilen und einander als Mitmenschen anzunehmen“, sagte der Bischof. Sich wie Maria auf Gottes Ruf einzulassen, so Bischof Fürst, bedeute, „das, was unter dem Wort Gottes geschieht, anzunehmen, ihm treu zu bleiben, auch wenn das, was uns begegnet, quer liegt zu unserem Verstehen und Wünschen“. „Gott braucht Menschen, damit sein Wort Fleisch und Blut wird“, sagte der Rottenburger Bischof der Festgemeinde.

Die Schwestern von Heiligenbronn hätten ebenso wie die ganze Diözese Rottenburg-Stuttgart „allen Grund, stolz, aber auch dankbar auf die besondere Geschichte der tätigen Nächstenliebe und des praktizierten Glaubens zurückzuschauen“, hatte Bischof Gebhard Fürst zuvor in einem Festakt zum Jubiläum des Klosters gesagt. Er danke ihnen und den Mitarbeitenden von Herzen auch „im Namen vieler Menschen, denen das Kloster Heiligenbronn zur Heimstatt und wahrscheinlich oft genug wahrhafte ‚Rettungsanstalt’ geworden ist“. Auch wenn sich die Formen der Tätigkeit entsprechend den heutigen Herausforderungen geändert hätten, seien die Aufgaben und Ziele, mit denen die Franziskanerinnen vor 150 Jahren angetreten seien, „so drängend und auf der Tagesordnung wie damals“, betonte der Bischof. „Unsere Zeit braucht solche Zeichen gelebten Glaubens heute dringender denn je zuvor. Unsere Zeit braucht die Kraft und das Glaubenszeugnis der Ordensgemeinschaften.“ Treue zur Welt und Treue zum Evangelium fielen im Zeugnis dieses Ordens „in geglückter und so überzeugender wie wirksamer Weise zusammen“, betonte Bischof Fürst. In der Nachfolge des Evangeliums seien die Franziskanerinnen von Heiligenbronn „weltempfindlich“ geblieben. „Sie leben aus der Mitte einer aktiv gestalteten Spiritualität und setzen gerade so konkrete Taten gelebter Liebe,“ bestätigte der Bischof den Franziskanerinnen. Aus einer tiefen Frömmigkeit heraus finden sie zu wirksamen Formen konkreter Caritas, die unsere Welt und die Bedingungen vieler Menschen heilsam zu verändern versteht.“