Ins Netz gegangen

Stuttgart. 20. November 2013. Medienpolitische Themen haben im Mittelpunkt des Jahresempfangs der katholischen Bischöfe gestanden. Vor Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft sagte Bischof Gebhard Fürst am Dienstagabend im Stuttgarter Neuen Schloss: „Kommunikation und Medien sind für die Kirche ein hohes Kulturgut, dessen Misslingen nicht selten zum Desaster führt". In seinem Vortrag „Ins Netz gegangen - der Mensch in den sozialen Medien" betonte der Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz, er sei sich darüber bewusst, „wenn wir uns als Kirche nicht mit den immer rascher voranschreitenden Entwicklungen im Medienbereich auseinandersetzen, verlieren wir Sprachfähigkeit und Präsenz in der Öffentlichkeit."

Ministerpräsident Winfried Kretschmann legte den Fokus auf Bürgerbeteiligung: "Wir wollen neue Formate der Bürgerbeteiligung etablieren und so dem wachsenden Bedürfnis nach Partizipation gerecht werden. Dabei sind die Sozialen Medien ein zunehmend wichtiges Instrument." Mit Blick auf die Kirchen ergänzte Kretschmann: „Die Sozialen Medien sind nicht nur für politische Prozesse wichtig, sondern können auch für die Kirchen eine Chance sein. Denn mit ihrer Präsenz im Internet leisten die Kirchen einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft, indem sie die christliche Stimme in den pluralen Chor der Meinungen, Positionen und Überzeugungen einbringen".

Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch ordnete die sozialen Medien in einem Spannungsfeld zwischen „virtueller Versammlungsfreiheit" und der unverfügbaren Würde der menschlichen Person ein. Gleichzeitig dankte er im Namen der Kirchen dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten für dessen Engagement in Fragen der Rolle der Kirchen und Religionsgemeinschaften in der modernen Gesellschaft.

Landtagspräsident Guido Wolf mahnte, Christ zu sein, erschöpfe sich, wenn es sich in Erwartungshaltung erschöpfe. Christen seien aufgefordert, sich den Menschen zuzuwenden. Entweltlichung meine nicht, sich von deren Nöten zurückzuziehen. Ausdrücklich würdigte Wolf die Handreichung der Erzdiözese Freiburg zum seelsorgerischen Umgang mit Wiederverheirateten; sie sei eine „wirkliche Wohltat". Menschen abzuschreiben nütze dagegen niemandem. Christen sollten mit einem Dreiklang aus „Evangelium, Benefizium und Politikum" Salz der Erde sein. Zur gesellschaftlichen Bereicherung trügen auch die christlichen Feiertage bei: Sie seien „Spurenelemente des Heiligen in einer säkularen Gesellschaft".

Der Jahresempfang der Bischöfe findet jährlich im Wechsel zwischen den evangelischen Landeskirchen und den katholischen Diözesen in Baden-Württemberg statt. In diesem Jahr war die Diözese Rottenburg-Stuttgart Gastgeber.

Uwe Renz