„Inseln eines präevangelischen Klimas“

Bischof Fürst, der auch Vorsitzender des Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz ist, verwies auf die Ergebnisse des so genannten Religionsmonitors der Bertelsmann-Stiftung, derzufolge 52 Prozent der 18- bis 29-Jährigen „religiöse“ und 14 Prozent „hochreligiöse“ Menschen sind. „Seid ihr wirklich auf der Höhe der Zeit“, wandte sich der Medienbischof an Politiker, Kultur- und Medienschaffende, „versäumt ihr nicht Substantielles, wenn ihr das Hoffnungs- und Handlungspotenzial der christlichen Religion und ihre ethosbildende Kraft vergesst und in eurem Denken und Handeln außen vor lasst?“

Obwohl der Religionsbegriff der Bertelsmann-Studie unspezifisch sei, so zeigt sie nach Ansicht des Bischofs doch, „dass Religiosität als Anknüpfungspunkt für die Verkündigung der christlichen Religion von großer Bedeutung ist“. Es gehe darum, dieser religiösen Offenheit eine Kultur aus christlichem Geist anzubieten, damit „aus ‚vagabundierender Religiosität’ christliche Religion werden“ könne, sagte Bischof Fürst. Die christliche Verkündigung müsse „in der bunten Landschaft der Religiositäten“ eine Sprache finden, die Aufmerksamkeit wecke und die Bedürfnisse der Menschen aufgreife.

Mit Berufung auf den Apostel Paulus betonte der Medienbischof, man müsse die „Möglichkeiten der Anknüpfung und Inkulturation“ aufgreifen. Der Aufbruch des Religiösen in den postmodernen Zivilisationen signalisiere die Unzufriedenheit vieler Menschen mit dem bloß Vorhandenen. Es gebe, so Bischof Fürst, „in der kulturellen Gestimmtheit der Menschen unserer Gesellschaft kollektive und individuelle Inseln eines präevangelischen Klimas“. Andererseits bedürfe es aber auch einer „Unterscheidung der Geister“, wenn religiöses Denken „Gott und die Welt identifiziert“.