Integration ist ein Grundthema von Kirche und Gesellschaft


"Das weltkirchliche Engagement gehört zum Pflichtprogramm, nicht zur Kür der Kirche auf allen ihren Ebenen. Die gilt für die Kurie in Rom genauso wie für die Diözese und für die Gemeinde, für die Verbände, Räte, Orden und ist nicht einfach delegierbar an die katholischen Hilfswerke." Dies betonte Domkapitular Heinz Detlef Stäps, Leiter der Hauptabteilung Weltkirche der Diözese Rottenburg-Stuttgart, vor den 25 Diözesanverantwortlichen von „Justitia et Pax“ und Mitgliedern von Eine-Welt-Ausschüssen in Diözesanräten. Stäps erinnerte daran, dass sich erstmals auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Kirche als Weltkirche erlebt und kennen gelernt habe. Von damals gewachsenen partnerschaftlichen Verbindungen in fast alle Länder lebe die Diözese Rottenburg-Stuttgart noch heute. Dieses vielfältige Netz helfe der Diözese, ihrer Grundverantwortung als diakonische Kirche nachzukommen. Kritik übte Stäps an dem Interventionismus, der in den internationalen Beziehungen deutlich zunehme. Die Kirche müsse dem den Grundsatz „Der Mensch im Mittelpunkt“ entgegen setzen. „Ausgangspunkte für alle kirchlichen Hilfsmaßnahmen im Problemfeld der Migration müssen stets die lokalen Ressourcen, der Wille und die Fähigkeit der Menschen vor Ort zur Veränderung sein“, betonte Stäps. Die entsprechende Arbeit fuße dabei auf der Grundüberzeugung, dass allen Menschen nicht nur das Recht zukomme, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten, sondern dass sie auch über die Fähigkeiten und Stärken verfügen, dies selbst in die Hand zu nehmen.

Migration und Integration seien ein „Grundthema“ der Gesellschaft und der Kirche, betonte Georg Gawaz von der Hauptabteilung Pastorale Konzeption. Während Stäps die Perspektive von der so genannten Ortskirche, also der Diözese, aus auf die weltweiten Dimension hin öffnete, richtete Gawaz den Blick darauf, dass Weltkirche auch in der Ortskirche präsent sei und dass diese Teil der Weltkirche sei. Das werde besonders auch daran deutlich, dass Katholiken mit ausländischer Staatsangehörigkeit elf Prozent der Kirchenmitglieder in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ausmachen, unter der Stuttgarter Katholiken sogar 26 Prozent. 160 Nationalitäten seien in dem württembergischen Bistum vertreten. Die Einbindung der in den letzten Jahren gebildeten rund 100 so genannten muttersprachlichen Gemeinden in die Pfarreien der Diözese sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Integration, der auch modellbildend für die Gesellschaft sein könne, so Gawaz. Allerdings sei dieser Prozess noch keineswegs abgeschlossen und stoße teilweise auch an Grenzen. Trotz international bunt gemischter Zusammensetzung der Kirche vor Ort gebe es häufig eher eine national geprägte „einfarbige“ Pastoral in den Gemeinden, stellte Gawaz fest. Kirche sei zwar immer Weltkirche, aber „Weltkirche in der räumlichen Distanz zu leben, scheint einfacher zu sein, als sie im Nahbereich der eigenen Kirchengemeinden konkret zu verwirklichen“.

Integration bedeute nicht Assimilation, sondern Communio, so Gawaz weiter Dazu bedürfe es kulturspezifisch getrennter Sozialräume, in denen die Menschen die eigene religiöse und kulturelle Identität leben und pflegen können. Ebenso aber seien auch interkulturell gemischte Sozialräume vonnöten, in denen der Andere als Anderer wahrgenommen und in seiner eigenen Ausdrucks- und Glaubensform ernst genommen und wert geschätzt werde. „Integration ist ein gemeinsamer Prozess zwischen Minderheits- und Mehrheitsgesellschaft. Gerade auch die Einheimischen müssen sich öffnen und sich auf die Zugewanderten hin integrieren lassen“, betonte Gawaz. Das gelte für Kirchengemeinden ebenso wie für die gesamte Gesellschaft.