Integration lebt aus dem Geist des Verstehens, des Respekts und der Menschliebe

Hagmann erinnerte in seiner Predigt an ein Schauspiel von Peter Handke aus dem Jahr 1992 mit dem Titel „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“. Menschen verschiedenen Alters, Standes und Berufs treffen auf einem Marktplatz zusammen, wirken in unterschiedlichster Weise zusammen und bleiben doch stumm und sprachlos. „Ein kritisches Gleichnis“, so Hagmann, „ für unsere moderne Nicht-Kommunikationsgesellschaft, in der wir ständig irgendwie kommunizieren, ohne einander wirklich zu begegnen.“ Die Pfingsterzählung der Bibel, in der Menschen aus aller Herren Länder einander verstehen, obwohl sie in verschiedenen Sprachen reden, sei „die Gegengeschichte schlechthin zu dem kalten und anonymen Geschehen auf dem Handkeschen Marktplatz“, sagte Hagmann. Sie mache zugleich deutlich, was Integration von Menschen unterschiedlicher nationaler und kultureller Herkunft bedeute. Integration bedeute in der Kirche nicht „Eingliederung in eine Richtung“. Vielmehr bestehe sie darin, „den Reichtum der Vielgestaltigkeit unseres Glaubens schätzen zu lernen“, betonte der Rottenburger Domkapitular. „Einheit entsteht nicht durch Vereinheitlichung“, so Hagmann. Das „einheitsstiftende Element“ sei „viel tiefer“. Es bestehe in dem „pfingstlichen Geist des Verstehens, des gegenseitigen Respekts, der Menschenliebe“, sagte Hagmann.

Hagmann wies darauf hin, dass die Errichtung so genannter muttersprachlichen Gemeinden als Bestandteile der Kirchengemeinden ein nicht zu überschätzender Beitrag zur Integration und zu einem „guten Miteinander“ in der Gesellschaft insgesamt sei.