Integrationsarbeit braucht Mut und langen Atmen

hat die Leiterin der Hauptabteilung Caritas der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Irme Stetter-Karp, beim Frauenfest des Katholischen Deutschen Frauenbunds 2007 im oberschwäbischen Untermarchtal betont. Diese Aufgabe sei „lange verdrängt, endlich zugestanden“, stellte die Ordinariatsrätin fest. Der 2. Integrationsgipfel, der diese Woche im Kanzleramt stattgefunden habe, mache nach vielen Jahren einige Fortschritte deutlich, so z. B. die zeitliche Aufstockung der Integrationskurse. Es fehlten aber nach wie vor wichtige Bausteine einer gelingenden Integrationspolitik. Als unverständlich bezeichnete es Stetter-Karp, dass gleichzeitig Verschärfungen im Zuwanderungsgesetz beschlossen worden seien. Als „eines der von der Bundesregierung ausgeklammerten Themen“ nannte die Caritasexpertin die „gravierende Tatsache“, dass eine halbe bis eine Million Zuwanderer in der Illegalität und damit „in einer äußerst labilen und prekären Lebenslage“ lebten.

Auch Baden-Württemberg, so stellte die Rottenburger Ordinariatsrätin fest, sei mit seiner restriktiven Politik in Sachen Integration „kein Musterländle“. Sie konstatierte „Symbolpolitik in der Spannung zwischen Assimilationsgebot und integrationsschädigenden Maßnahmen“ und befürchtete, bis heute könne „niemand sicher sein, dass das gefährliche Spiel mit den Ängsten der Bevölkerung vor Überfremdung nicht für Wahlkampf und parteipolitische Interessen taktisch genutzt würde“. Als besonders problematisch stellte sie den hohen Anteil ausländischer Jugendlicher ohne Schul- und Ausbildungsabschluss dar, denen durch die Selektionswirkung des hiesigen Schul- und Bildungssystems die Chance der Teilhabe am gesellschaftlichen, beruflichen und kulturellen Leben verwehrt bleibe.

„Integration beginnt im Kopf“, sagte Stetter-Karp und forderte, man müsse die allen Menschen zukommende Menschenwürde ebenso wie deren Recht auf Individualität und Unterschiedlichkeit gründlich durchdenken. Das bedeute kein „dumpfes Gefühl“, alle Ausländer „seien gleich – fremd“, ebenso wenig wie es ein „dumpfes Gefühl“ bedeuten könne, Ausländer seien so anders, dass keine Gemeinsamkeit möglich sei. Wichtig sei Vertrauen, und dies „fällt nicht vom Himmel“, sondern bedürfe der mitmenschlichen Begegnung, betonte Stetter-Karp. Dabei solle nicht „einer beliebigen Toleranz das Wort geredet werden“, vielmehr müssten sich an den im Grundgesetz verankerten Werten alle messen lassen, die in Deutschland eine Bleibe suchten, betonte die Ordinariatsrätin. Als Ziel einer gelungenen Integrationspolitik bezeichnete Stetter-Karp „die umfassende und gleichberechtigte, das heißt rechtliche, soziale, wirtschaftliche, politische und kulturelle Teilhabe der Zugewanderten und die Erfahrung einer realen Zugehörigkeit“. Diese Teilhabe bedeute, „dass zugewanderte Menschen mit gerechten Chancen Zugang zum Arbeitsmarkt haben, ihren Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln bestreiten und in deutscher Sprache kommunizieren können“. Dies, so Irme Stetter-Karp, sei „eine gesellschaftliche und politische Querschnittsaufgabe, die sämtliche Bereiche des Lebens betrifft“.

Christen und Kirchen seien bei dieser Aufgabe besonders gefordert, denn „das wirklich Radikale am Christentum“ sei es, „Liebe nicht auf den Nahraum einzuzäunen“. Daher sei „Integrationsarbeit eine radikale Tätigkeit“, unterstrich Stetter-Karp. Wie alles Große brauche sie Mut und einen langen Atem.