Jakobswege sind "Geburtswege des christlichen Abendlandes"

Auf seiner dritten Wanderung im östlichen Teil der Diözese Rottenburg-Stuttgart auf den Spuren des heiligen Jakobus ist der katholische Bischof am Mittwoch beim Besuch von drei evangelischen Kirchen in Gussenstadt, Sontbergen und Ettlenschieß mit Glockengeläut freudig willkommen geheißen worden. Die evangelischen Pfarrer oder Vertreter der Gemeinden erklärten Fürst die Geschichte der oft tausend Jahre alten Kirchen, die dem heiligen Jakobus geweiht sind und die Idee der Pilgerschaft nach Santiago lebendig halten. Auch bei der zweiten Etappe am Donnerstag wurden Bischof Fürst und die zahlreichen Mitpilger beim Besuch der evangelischen Jakobuskirche in Sinabronn mit Geläut begrüßt.

In Ettlenschieß hatte der Bischof an die christlichen Wurzeln Europas erinnert, die für die Identität und Einigung des Kontinents unverzichtbar seien. In der Tradition des heiligen Jakobus und der viele europäische Länder verbindenden Pilgerstraßen werde deutlich, dass Europa ein christlich geprägter Kontinent sei. Notwendig sei heute, so Fürst, "die Idee Europas aus christlichem Geist zu verlebendigen und zu erneuern".

Eine Statio hielt der Bischof auch in der katholischen Kirche Mariä Königin in Lonsee, bevor er bei angenehmem Wanderwetter seinen Weg zur evangelischen Laurentiuskirche in Scharrenstetten fortsetzte. Ziel der zweiten Etappe war am Nachmittag die evangelische Nikolauskirche in Temmenhausen. Zu Beginn des Weges am Mittwoch feierte der Bischof zur frühen Stunde mit rund 400 Pilgern in St. Hippolyt in Böhmenkirch, darunter eine ganze Schulklasse, eine Pilgermesse. - Bereits in den vergangenen zwei Jahren war der Bischof jeweils im Juli auf 40 Kilometer langen Teilstücken des Jakobswegs von Crailsheim über Wöllstein nach Böhmenkirch gepilgert, um die Wallfahrt nach Santiago de Compostela noch bekannter zu machen und zu unterstützen. Zugleich will der Bischof auf diese Weise mit Christen durch die Diözese unterwegs sein. Im nächsten Jahr ist das Zentrum von Ulm Ziel seiner Wanderung.

Hinweis: Das überlieferte Grab des heiligen Jakobus des Älteren in der Kathedrale von Santiago de Compostela in Galicien entwickelte sich seit dem 9. Jahrhundert zur bedeutendsten christlichen Wallfahrtsstätte nach Jerusalem und Rom. Seit dem Aufruf des Europarats 1987 zur Wiederbelebung der Jakobuswege erlebt diese "europäische Kulturbewegung" eine Renaissance.