Jakobus-Pilgerwege: Zeichen für eine europäische Vision

Dies hat Bischof Gebhard Fürst in der überfüllten Pfarrkirche von Oberdischingen (Alb-Donau-Kreis) am Ende eines Pilgertags auf den Spuren des Apostels Jakobus gesagt. Die katholische Kirche feiert an diesem Tag das Fest des Jesus-Jüngers Jakobus des Älteren. Etwa 300 Gläubige hatten ihn am Mittwoch auf der ersten Etappe des Wegs begleitet, die in der Erbacher Pfarrkirche ihren Ausgang nahm.

Ein vielfältiges Netz von Pilgerwegen führte im Mittelalter und führt heute wieder aus allen Regionen Europas zum Grab des Apostels Jakobus im nordspanischen Santiago de Compostela. „Bis zum westlichen Rand Europas bedeutete im mittelalterlichen Verständnis: bis an die Grenzen der Erde“, erläuterte Bischof bereits zu Beginn der Pilgerwanderung in Erbach. Und er erinnerte an das Jesus-Wort: „Ihr sollt meine Zeugen sein bis an die Grenzen der Erde.“ Die Jakobus-Wallfahrt sei auch heute wieder ein Zeichen für eine missionarische Kirche, betonte Bischof Fürst. Deshalb seien die Jakobswege „nicht einfach touristische Erlebnispfade“, sondern die Pilgerschaft im Zeichen des Apostels Jakobus sei „eine Einweisung in eine Grundhaltung christlichen Lebens“. Was eine „missionarische Kirche“ bedeute, erläuterte der Rottenburger Bischof so: „Den Menschen dienen, vor allem denen beistehen, die es bitter nötig haben“. Und: „Missionarische Menschen sind Menschen, die ihr Leben für andere einsetzen und darin einen Sinn für ihr eigenes Leben finden.“ Die Wiederentdeckung der Jakobus-Pilgerwege unter diesem Vorzeichen, so betonte Bischof Fürst, bedeute für ihn, dass diese Pilgerwege „wie Blutadern eines neuen Europa“ seien. Dass auf den Jakobswegen nie gekämpft und Kriege geführt wurden, bezeichnete der Bischof als „ein historisches Vermächtnis, das auch heute verpflichtet“. Er appellierte an die Vision eines Europa, „das mehr ist als nur ein Zusammenschluss von Geld, Wirtschaft und Finanzbeziehungen“.

Zum fünften Mal wanderte Bischof Gebhard Fürst dieses Jahr auf den Pilgerwegen der mittelalterlichen Jakobus-Wallfahrt im Gebiet der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er will den geistlichen Gedanken der Jakobus-Pilgerschaft durch dieses öffentliche Zeichen lebendig halten. Zugleich ist es für ihn eine wichtige Gelegenheit, Gläubigen aus vielen Gemeinden seiner Diözese zu begegnen und mit ihnen in ein persönliches Gespräch zu kommen.