„Jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod“

Die seit September bundesweit gesetzlich geregelten Verfügungen müssten weiterhin die Autonomie des Patienten in verantwortlicher Weise gewährleisten, betonte der Bischof am Samstag in Stuttgart auf einer Tagung „Selbstbestimmung und Patientenwohl am Lebensende – Bewertungen und Konsequenzen aus christlicher Sicht“. Dazu bedürfe es einer Verbindung der Autonomie des Patienten mit der Fürsorge für ihn. Aus kirchlicher Sicht sei darum großer Wert auf eine Vorsorge- oder Betreuungsvollmacht zu legen, auf deren Basis ein bevollmächtigter Mensch in Abstimmung mit Ärzten, Pflegern und Angehörigen den mutmaßlichen Willen des Patienten ergründen und durchsetzen kann.

So genannte Christliche Patientenverfügungen müssten in diesem Sinne der Gesetzeslage angepasst werden, so Bischof Fürst. Mit Blick auf die Reichweite solcher Verfügungen unterstrich er, dass sie dann nicht zum Tragen kommen dürfen, „wenn der Tod nicht unmittelbar bevorsteht“, zum Beispiel bei anhaltendem Koma oder bei fortgeschrittener Demenzerkrankung. Mit dieser Position würden sich die Kirchen gegen eine häufig wahrzunehmende Tendenz stellen, das Leben von Koma-Patienten oder anderweitig eingeschränkten Menschen generell als nicht mehr lebenswert oder sinnvoll darzustellen.

Bischof Fürst betonte, bei aller Notwendigkeit von Rahmenvorschriften könne nicht alles in Fragen zum Lebensende bis in die letzten Einzelheiten rechtlich festgelegt werden. „Jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod.“ Mit Blick auf das Thema Sterbehilfe forderte der Bischof, der qualitative ethische Unterschied zwischen Töten und Sterben lassen dürfe nicht eingeebnet werden. Weder der Kranke noch der Arzt seien aber sittlich verpflichtet, jedes irgendwie erreichbare Mittel zur Lebensverlängerung anzuwenden. Die Verwendung von Mitteln zur Linderung von Schmerzen oder zur Verringerung von Atemnot und Übelkeit aber sei etwas anderes als die Verabreichung von Mitteln, die eine Beendigung des Lebens zum Ziel haben.

Auf der von den Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Freiburg in Verbindung mit den Landesarbeitsgemeinschaften Katholische Seniorenarbeit und Hospiz in Baden-Württemberg veranstalteten Tagung sprachen außer Bischof Fürst die Berliner Medizinprofessorin Jeanne Nicklas-Faust, der Mainzer Theologieprofessor Johannes Reiter sowie der Esslinger CDU-Bundestagsabgeordnete Markus Grübel und der Jurist Robert Wessels vom Katholischen Büro in Berlin.

Uwe Renz