Jugendliche sollen die Wirklichkeit nicht verlernen

Fürst, der zugleich Medienbischof der Deutschen Bischofskonferenz ist, forderte eine verstärkte Debatte um Medienkompetenz und Computernutzung von Kindern- und Jugendlichen. Brutale Computerspiele gaukelten Jugendlichen den schnellen Sieg des Stärkeren und Gewalttätigeren vor. Gerade Jugendliche, die an ihrer Persönlichkeit zweifelten, identifizierten sich dabei schnell mit den Akteuren im Spiel. Erwiesen sei, dass es hierbei zu einer extremen Fehlwahrnehmung oder gar Verleugnung der Wirklichkeit komme. Die dramatischen Erfolgserlebnisse am Bildschirm verdrängten die Erfolgserlebnisse in Schule und Freizeit und bekämen einen Stellenwert, der der Persönlichkeit der meist männlichen Jugendlichen schädlich sei. Es werde spielerisch ein Welt- und Menschenbild suggeriert, entwickelt und verfestigt, in dem der Andere nur als Mittel zum Zweck, als potentielles Opfer und als Hindernis auf dem Weg zum eigenen Erfolg angesehen werde. Mitleid und Empathiefähigkeit erschienen bei solchen Spielzielen als hinderlich. Das christliche Menschenbild stehe dem klar entgegen: „Christen stehen an der Seite der Schwachen. Aus christlicher Sicht ist deshalb gegen eine nachhaltig verheerende Medienverwahrlosung vieler Kinder und Jugendlicher entschieden Widerspruch anzumelden“, so der Bischof.

Bischof Fürst kritisierte, dass die Kontrolle bei den so genannten Killerspielen offensichtlich nicht ausreiche. Es könne nicht angehen, dass die Bewertung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle zur Werbung für gewalttätige Computerspiele verkomme und nicht mehr dem Schutz der Jugendlichen diene. Zudem sollte die Medienkompetenz von Schule und Elternhaus gestärkt werden. „Jugendliche, die weitaus mehr Zeit vor dem Computer verbringen als in lebendigen Beziehungen zwischen Menschen, verlernen die Wirklichkeit“, so Bischof Fürst. Der Vereinsamung so vieler junger Menschen am Bildschirm müsse entgegen gewirkt werden.