Katastrophale Lebensbedingungen in thailändischen Internierungslagern für Flüchtlinge

Eine solche „stumme Katastrophe“ sind nach Aussagen von Experten auch die Lebensbedingungen von Flüchtlingen in Thailand, die in Internierungslagern in Bangkok ein beklagenswertes Dasein fristen. Thailand ist wegen seiner wirtschaftlichen Entwicklung und einem relativ hohen Lebensstandard für Menschen sowohl aus den teilweise krisengeschüttelten Nachbarländern als auch aus weiter entfernten Ländern wie z. B. Sri Lanka, Somalia oder Nigeria attraktiv. Jährlich wird eine große Anzahl von Ausländern ohne gültige Papiere durch die thailändische Polizei verhaftet und in Internierungslager verbracht. Die Zustände in diesen Lagern und die Situation der Migranten werden als äußerst kritisch beschrieben. Die Lager seien permanent überbelegt und geprägt durch mangelhafte Hygiene, schlechte ärztliche Versorgung und Nahrungsmittelknappheit. Viele der Flüchtlinge bekämen keine Möglichkeit, ihre Asylgesuche durch den UNHCR prüfen zu lassen. Aber auch durch den UNHCR anerkannte Flüchtlinge seien nicht davor geschützt, auf eigene Kosten in ihre Heimatländer abgeschoben zu werden.

Um die Notlage von Inhaftierten in akut besonders gefährdetem Zustand zu lindern, hat die Diözese jetzt Sofortmittel in Höhe von 32.000 Euro bereit gestellt. Für rund 26.400 besonders bedürftige Personen – Kranke, ältere Menschen, Kleinkinder oder stillende Mütter – werden über die Caritas frische Nahrungsmittel finanziert. An rund 12.000 Inhaftierte werden monatlich Hygieneartikel verteilt. Auch medizinische und soziale Beratung, technische Reparaturen in den Zellen und die Beschaffung von Kleidungsstücken können damit bei Bedarf bezahlt werden. Um Kontakt mit Botschaften und Angehörigen zu ermöglichen, werden ein E-Mail- und Telefonservice sowie Schreibutensilien bereitgestellt.

„Wir sind uns bewusst, dass die Versorgung mit den wichtigsten Artikeln für den Bedarf des täglichen Lebens lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, betonte Heinz Detlef Stäps, der Leiter der Hauptabteilung Weltkirche. Neben der unmittelbaren Hilfe sei es dringend erforderlich, dass die Weltöffentlichkeit auf die politisch bedingten unhaltbaren Zustände in den Internierungslagern aufmerksam gemacht werde. Thailand habe weder die Genfer Flüchtlingskonvention von 1951 noch das Protokoll von 1967 ratifiziert. Die Interventionsmöglichkeiten durch internationale Menschenrechtsorganisationen seien sehr begrenzt, so Stäps weiter. So müsse wenigstens das Mögliche unternommen werden, um die Flüchtlinge in ihrer katastrophalen Situation nicht im Stich zu lassen.

Dr. Thomas Broch