Katholische Soziallehre in den Dimensionen der globalisierten Welt

Dies hat Bischof Gebhard Fürst in einer ersten Stellungnahme zu der neuen Sozialenzyklika betont, die der Papst zum 40. Jahrestag der Sozialenzyklika „Populorum progressio“ von Papst Paul VI. heute der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Die erste Enzyklika Papst Benedikts mit dem Titel „Deus Caritas est“ habe die unmittelbare Nächstenliebe von Mensch zu Mensch in den Mittelpunkt gestellt. Das jetzt vorgelegte Lehrschreiben stelle dieser unmittelbaren Caritas nach den eigenen Worten des Papstes den am Gemeinwohl ausgerichteten „institutionellen, politischen Weg der Nächstenliebe“ gleichbedeutend an die Seite und bekräftige so die Einheit dieser beiden Grundelemente christlicher Ethik, betonte der Bischof. „Hatte schon der Konzilspapst Paul VI. den unauflösbaren Zusammenhang zwischen Entwicklung und weltweiter sozialer Gerechtigkeit herausgestellt, so fügt Papst Benedikt dem viele uns heute bedrängende Aspekte hinzu“, sagte Bischof Fürst. Dazu gehörten für Papst Benedikt ausdrücklich etwa die dramatischen Probleme der internationalen Finanzwirtschaft und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft, aber auch eine fehlgeleitete Migrationspolitik oder die rücksichtslose Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Angesichts der eigenen Bemühungen der Diözese Rottenburg-Stuttgart um den Klimaschutz sehe er sich durch die Ausführungen der Enzyklika zur Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und für den Umweltschutz unterstützt, sagte Bischof Fürst; und weiter: „Rücksichtlose Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen, rücksichtsloser Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen und rücksichtlose Schädigung der Entwicklungsmöglichkeiten der Menschen vor allem in den Elendsregionen stehen in einer unheilvolle Wechselwirkung miteinander.“ Er sei dankbar dafür, dass der Papst das unmittelbare Vorfeld des G-8-Gipfels als Erscheinungstermin gewählt habe, so der Bischof. Er sehe darin einen deutlichen Hinweis darauf, welche Verantwortung gerade den dort versammelten Politikern der führenden Wirtschafts- und Industrienationen für die künftige Menschheitsentwicklung zukomme. Die Kirche als weltweit präsente Kraft müsse den Global Players in Wirtschaft und Politik Maßstäbe verantwortlichen Handelns vor Augen stellen, die ihre Wurzeln ebenso im biblischen Ethos wie in dem Wissen um die menschliche Schicksalsgemeinschaft heute und in Zukunft hätten, betonte der Bischof. Zugleich werde in der Enzyklika aber auch der „Appell für eine gemeinsame Übernahme von Verantwortung“ betont, der allen gelte und den jede Kirchengemeinde und jeder einzelne Christ auf die eigenen Handlungsmöglichkeiten hin konkretisieren müsse. Benedikt XVI. habe sich mit seiner dritten Enzyklika in die große Tradition sozialer Anwaltschaft früherer Päpste von Leo XIII. über Pius XI., Johannes XXIII. und das Zweite Vatikanische Konzil bis hin zu Paul VI. und Johannes Paul II. gestellt. So wie die päpstlichen Autoren der früheren Sozialenzykliken unter den Bedingungen ihrer jeweiligen Zeit Kriterien für ein humanes und solidarisches Miteinander formuliert hätten, so müsse auch heute die Kirche als Anwältin für eine Erde auftreten, auf der die gegenwärtigen und ebenso die künftigen Generationen menschenwürdig leben können, so Bischof Fürst.