Katholischer Kriegsdienstverweigerer gewürdigt

In seiner Würdigung schreibt Bischof Gebhard Fürst, Josef Ruf kann zum „unverzichtbaren Erinnerungsgut unserer Gesellschaft, zur belebenden Inspiration für Gegenwart und Zukunft werden.“ Die Erinnerung an ihn zeige, wie sich das Leben eines Menschen angesichts von Herausforderungen und Bedrohungen bewähren könne. Ruf habe seine Entscheidungen bewusst gefällt und sei dabei aufgrund eigener Überzeugungen bereit gewesen bis zum Letzten zu gehen. Mit seinem Handeln habe Josef Ruf für Gegenwart und Zukunft Orientierungsmaßstäbe gegeben. Seine große Liebe zu Christus, seine Treue zur einmal getroffenen Gewissensentscheidung und seine Friedensliebe im Sinne der Bergpredigt Jesu könnten auch heute Orientierung geben und zum Handeln für den Frieden aufrufen, so der Bischof.

Zeitgenössische Berichte schilderten Josef Ruf als fleißigen und äußerst gewissenhaften Menschen von auffallender Güte und Hilfsbereitschaft. Die Feier der Eucharistie und die Schriftlesung waren die tragende Kraft seines Lebens und die Quelle seines Glaubens, so der Rottenburger Bischof. Immer tiefer wurde Ruf der Wille Gottes, dem er in jeder Lebenslage gerecht werden wollte, zum einzig bestimmenden Maßstab seines Handelns.

Josef Ruf ist bisher der einzige namentlich bekannte katholische Kriegsdienstverweigerer des Zweiten Weltkriegs aus unserer Diözese. 1905 in Hochberg bei Saulgau geboren, trat er nach Schule und einer Schneiderlehre 1925 in den Franziskanerorden ein, wo er bis 1933 an verschiedenen Orten tätig war. 1933 schloss er sich der vom Freiburger Diözesanpriester, Ökumeniker und Pazifisten Max-Josef Metzger gegründeten Christkönigsgesellschaft in Meitingen bei Augsburg an. 1940 wurde Josef Ruf zur Wehrmacht eingezogen. Er absolvierte die Grundausbildung in der Hoffnung, zum Sanitätsdienst wechseln zu können. Als sich diese Hoffnung zerschlug, verweigerte er den Eid auf Hitler und den Dienst an der Waffe. Seine Begründung für diesen Schritt lautete: "Ich kann den Waffendienst mit der Lehre Christi einfach nicht vereinbaren, und fühle mich verpflichtet, unter allen Umständen auch danach zu handeln." Nach längerer Untersuchungshaft wurde Ruf wegen Zersetzung der Wehrkraft zum Tode verurteilt und am 10. Oktober 1940 durch das Fallbeil hingerichtet.