Caritasverband

Kinder als Vorbild für die Gesellschaft

Weihbischof Renz predigt am Ambo in Weingarten. Er trägt ein grünes Messgewand. Im Hintergrund ist die historische Chororgel zu sehen.

Weihbischof Thomas Maria Renz - Foto: Helen Bartknecht

Weihbischof Thomas Maria Renz predigt in der Weingartner Basilika zur Eröffnung der diözesanen Caritas-Sammelwoche.

Beim Gottesdienst am Sonntag in der Basilika St. Martin in Weingarten eröffneten Weihbischof Thomas Maria Renz und Dekan Ekkehard Schmid die Caritas-Sammelwoche für die Diözese. Renz übernahm dabei für den kurzfristig erkrankten Diözesan-Caritasdirektor Pfarrer Oliver Merkelbach die Predigt.

Im Anschluss an die Eucharistiefeier gab es im Refektorium des ehemaligen Klosters eine Gesprächsrunde zum Thema „Zusammenleben neu denken – um gut alt werden zu können, braucht es die Mithilfe des ganzen Dorfes“. Caritas-Regionalleiter Ewald Kohler moderierte die Runde. „Der demografische Wandel – ein hochbrisantes Thema, das uns alle betrifft“, sagte er eingangs.

Dekanatsreferent Ansgar Krimmer betonte in seinem Impuls, dass „bisherige Konzepte für das Leben im Alter an ihre Grenzen stoßen“. Aber wie geht es dann weiter? Wie und wo brauchen Menschen Unterstützung im Alter? So lautete die Fragestellung. Man habe festgestellt, dass die Menschen vorrangig „zuhause“ betreut werden wollen, meinte Reinhard Friedel, Sozialdezernent beim Landkreis Ravensburg, in seinem Redebeitrag.

Projekt „Solidarische Gemeinde“ als Lösungsansatz

In den eigenen vier Wänden sei Hilfe gefragt, weshalb die Zivilgesellschaft das Entscheidende sei, sagte Petra Honikel, Caritas-Stabstellenleiterin für Strategische Projekte. „Es sollte für jeden dazugehören, sich sozial zu engagieren.“  Sie stellte zu Beginn das Projekt „Solidarische Gemeinde“ als möglichen Lösungsansatz vor. Das noch sehr junge Projekt wurde von der Caritas Bodensee-Oberschwaben Anfang des Jahres in Kooperation mit dem katholischen Dekanat Allgäu-Oberschwaben und dem Landkreis Ravensburg initiiert.

Es soll eine seniorengerechte Gemeindeentwicklung vor allem in ländlichen Kommunen in Gang bringen. „Feuer und Flamme“ für ein solches Projekt ist etwa die Berger Bürgermeisterin Manuela Hugger. Berg werde sich am Projekt „Solidarische Gemeinde“ beteiligen, da die Heimatverbundenheit sehr groß sei. „Die Menschen wollen in ihrem Ort bleiben und dieses Projekt setzt genau hier an“, sagte Hugger.

Konsens in der Runde bestand darüber, dass bezahlbarer Wohnraum in Zukunft auch für Senioren eine zentrale Rolle spielen wird. Funktionieren die sogenannten Generationenhäuser? Wie erschließt man bezahlbaren Wohnraum? Hier positionierten sich Dr. Berthold Broll, Vorstand der Stiftung Liebenau, und die Grünen-Landtagsabgeordnete Petra Krebs, klar. Grundstücke müssen bezahlbar werden. Die Menschen müssen genug Geld fürs Wohnen haben – die Rente muss dafür reichen.

Predigt stellt Kinder in die Mitte

In seiner Predigt richtete der Weihbischof den Blick nicht wie bei der Gesprächsrunde auf die ältere Generation in unserer Gesellschaft, sondern auf die junge. Er griff dabei das Sonntagsevangelium auf, in dem Jesus nach dem Rangstreit der Jünger ein Kind in ihre Mitte stellt. Kinder seien in vieler Hinsicht anders und aus caritativer Sichtweise den Erwachsenen sogar deutlich überlegen, betonte der Prediger.

Um diese These zu unterstreichen, nahm Renz das Buch „Orientierung am Kinde“ zur Hand. Darin beschreibt Autor Heinrich Spaemann Wesenszüge eines Kindes. Fünf hob der Weihbischof in seiner Predigt heraus: Kinder sind gelassen. Kinder sind arm. Kinder sind solidarisch. Kinder haben Zeit. Kinder lieben absichtslos. Würden sich Erwachsene an diesen Wesenszügen orientieren, so wäre ihr Handeln solidarischer, ihre Nächstenliebe größer. Umdenken heißt wie ein Kind denken. Kinder können uns ein Vorbild für ein besseres Zusammenleben sein.

Die Caritas-Sammelwoche der Diözese Rottenburg-Stuttgart beginnt traditionell mit einem Auftaktgottesdienst und anschließender Veranstaltung, die jedes Jahr eine der zehn Caritas-Regionen organisiert. Dieses Jahr war die Region Bodensee-Oberschwaben an der Reihe.