Kinder- und Jugendschutz wird weiter ausgebaut

Rottenburg. 3. Dezember 2013. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart baut die Prävention zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt weiter aus. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter in der Seelsorge muss bis Ende 2015 einen Studientag zum Thema absolviert haben, wie die Präventionsbeauftragte der Diözese, Sabine Hesse, am Dienstag in Rottenburg mitteilte. Sie ist seit einem Jahr in dieser Funktion.

Die Schulungen, koordiniert von der Präventionsbeauftragten, werden vorwiegend 2014 angeboten. Durch diese Vorgabe müssen sich rund 1.700 hauptberuflich in der Seelsorge arbeitende Männer und Frauen in 25 Dekanaten gemeinsam mit Fragen sexualisierter Gewalt und Prävention auseinandersetzen. Sie erhalten dafür einen Nachweis. Auch die Diözesanleitung hat sich selbst verpflichtet, an einer Schulung teilzunehmen. Bereits seit 2011 müssen als Folge des 2010 aufgetretenen Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche alle hauptberuflichen Männer und Frauen in Seelsorge- und Bildungsarbeit ein erweitertes Führungszeugnis nachweisen. Von Ehrenamtlichen wird eine Selbstverpflichtungserklärung verlangt.

Mit diesen Maßnahmen wird das Kinder- und Jugendschutzkonzept der württembergischen Diözese deutlich verstärkt. Dazu gehört auch ein Präventionsnetzwerk aus Beauftragten selbstständiger kirchlicher Träger wie dem Jugendverband BDKJ, dem Caritasverband, der Stiftung Katholische Freie Schule, dem Sportverband DJK und zwei Beauftragten der Ordensgemeinschaften. Drei Mal hat sich dieses im März gegründete Gremium bisher getroffen und abgestimmt.

Zentralen Stellenwert in der Präventionsarbeit der Diözese haben Aufklärungs-, Informations- und Diskussionsveranstaltungen für Mitarbeiter wie auch für breiteres Publikum. So findet am 3. Februar 2014 an der Akademie der Diözese in Stuttgart eine Tagung zum Mitdenken und Mitmachen statt über „Ziele und Visionen für die Prävention gegen sexualisierte Gewalt“.

Die Präventionsarbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart basiert auf der überarbeiteten Rahmenordnung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), die im September verabschiedet wurde. Dort heißt es, es gehe darum, „eine neue Kultur des achtsamen Miteinanders zu entwickeln“. Die Rottenburger Präventionsbeauftragte Hesse weist darauf hin, dass es darüber hinaus auch um den Aspekt der Verantwortung und Zivilcourage gehe. „Kirche muss ein vertrauenswürdiger und sicherer Ort für Kinder und Jugendliche wie für alle Schutzbedürftigen sein.“

Bereits 2002 richtete die Diözese Rottenburg-Stuttgart als erste von allen deutschen Diözesen eine vom Bischof unabhängige Kommission Sexueller Missbrauch (KSM) ein. Seither wurden laut Hesse, die seit einem Jahr auch Geschäftsführerin dieser Kommission ist, Anzeigen von rund 130 Opfern bearbeitet, die sich auf 107 Beschuldigte beziehen. Die Fälle reichen teils zurück bis in die 40er Jahre. Ein Großteil der Anzeigen bezieht sich auf sexuelle Übergriffe in katholischen Kinderheimen bis in die 70er Jahre (vollständiger Bericht der KSM im Internet auf www.drs.de, Stichwort: Hilfe bei Missbrauch).

Seit dem Jahr 2010, als die katholische Kirche als erste Institution überhaupt in Deutschland finanzielle Zahlungen zur Anerkennung erlittenen Leids beschlossen hatte, zahlte Rottenburg-Stuttgart rund 360.000 Euro an 70 anerkannte Missbrauchsopfer auf deren Antrag hin aus. In dieser Summe enthalten sind auch Mittel zur Deckung von Therapiekosten.

Als Erfolg und Anerkennung des Bemühens der württembergischen Diözese um Offenheit und Aufarbeitung wertet die Präventionsbeauftragte Hesse das Echo auf ein bundesweites Monitoring der Bundesregierung zum Thema Prävention in Institutionen. Die Befragung wurde in der Diözese von drei Vierteln der Seelsorgeeinheiten beantwortet. „Diese starke Beteiligung zeigt, wie wichtig den Gemeinden der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist.“ Zusammen mit den Diözesen Trier und Köln lieferte Rottenburg-Stuttgart mehr als die Hälfte der Antworten von katholischen Gemeinden.

Kontakt: Stabsstelle Prävention, Kinder- und Jugendschutz, Sabine Hesse, praevention(at)drs.de, www.drs.de