„Kindern Lebensräume eröffnen“

In der Tübinger Kirche St. Michael kritisierte er am Sonntag im Eröffnungsgottesdienst eine wachsende Kluft zwischen materiell gut bis sehr gut gestellten Kindern und solchen, die in ärmlichen Verhältnissen leben müssen. Zwei Dritteln der Kinder gehe es so gut wie noch in keiner Generation zuvor; ein Drittel und damit 15 Millionen Kinder leben auf Sozialhilfeniveau, wie der Generalvikar betonte. Damit fehlten ihnen Bildungschancen, Teilhabe an der Gemeinschaft und eine ausreichende Gesundheitsvorsorge. „Arm geboren, immer arm“, beschrieb Stroppel in seiner Predigt zum Caritas-Jahresmotto „Mach dich stark für starke Kinder“ das Schicksal von Millionen Kindern.

Der Generalvikar, Verwaltungschef der Diözese Rottenburg-Stuttgart, ging mit aktuellen kapitalistischen Auswüchsen scharf ins Gericht. Angesichts einer immer weiter klaffenden sozialen Lücke erscheine es ihm „geradezu als Frechheit, wenn der Chef der Deutschen Bank so eben mal in einer Talkshow daherplaudernd einräumt, auch seine Bank habe Fehler gemacht im Zusammenhang mit der Krise der internationalen Finanzmärkte“ und müsse nun Kreditversprechen im Umfang von 29 Milliarden Euro neu bewerten.

Stroppel mahnte mehr Rücksicht auf Kinder an. Dazu gehöre, ihnen Lebensräume zu eröffnen und sie ernst zu nehmen, gerade jene, „die zu kurz kommen, weil schon ihre Eltern nicht mehr mithalten können oder noch nie mithalten konnten“. Es müsse doch möglich sein, sagte der Generalvikar, „dass wir die Kinder zur Welt und ins Leben bringen: alle Kinder! Es sind ja viel zu wenige“. - Die Caritas-Sammelwoche steht unter dem Motto „Investieren Sie in Menschlichkeit – Spenden von Mensch zu Mensch“. Die Hälfte der bis 30. September gesammelten Spenden bleibt in den Kirchengemeinden für deren karitative Aufgaben, die andere Hälfte erhält der Caritasverband für seine sozialen Projekte.