Kirche als ein Dach für die Seele

Vor dem Hintergrund der Banalisierung und Funktionalisierung vieler Lebensvollzüge seien Religion und Christentum wieder gefragt, sagte der Bischof. Mystik und Spiritualität hätten Hochkonjunktur, „auch wenn viele sich unverbindlich geben und sich ein eigenes Menü zusammenstellen.“ Besonders für die Großstädte sei eine gottlose Zukunft vorhergesagt worden. Die Entwicklung gehe jedoch in eine andere Richtung. An jedem Werktag strömten Hunderte Menschen in die Passanten- und Citygottesdienste, Sonntag für Sonntag seien es tausend, die aus Stuttgart und Umgebung nach St. Eberhard kämen.

Die Kirche sei ein Ort mit „einladender Offenheit und furchtlosem Mut zur Berührung“. Sie sei das gastfreundliche Haus für Passanten, die "Probierstation", wo keiner vereinnahmt werden soll. Die Kirchen seien therapeutische Orte, wo vielfältige Nöte zur Sprache kommen könnten, wo erste Hilfe als Krisenintervention möglich sei, wo Menschen zur Begegnung, zur geistlichen Begleitung und zum Heilungsgespräch ansprechbar seien. Damit werde die Kirche zur heilsamen Kirche. Dort gäbe es auch viel Raum für Gescheiterte und seelisch Verwundete.

„Die Kirche in Stuttgart und die ganze Diözese Rottenburg-Stuttgart mit ihrer Konkathedrale sollen solch gute Adressen sein, die Menschen einladen, anzukommen und Heil zu erfahren“, so Bischof Fürst. „Wir alle, jede und jeder einzelne, wir als Gemeinde und Kirche sind aufgefordert, mit unserem Leben und Handeln für andere Menschen heute spürbar werden zu lassen, was heilsame Nähe Gottes heißt. Wenn wir dies aber tun, dann können auch andere Menschen erfahren, dass und wie das Reich Gottes anbricht.“

Staatssekretär Rudolf Böhmler, der Erste Bürgermeister Michael Föll und der evangelische Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich sprachen im Anschluss an das Pontifikalamt Grußworte. Musikalisch gestaltete der Domchor St. Eberhard und Mitglieder des Staatsorchesters den Gottesdienst mit der „Missa in C“ von Ludwig v. Beethoven und dem „Halleluja“ aus Händels Messias. Eine Woche lang hat die Domgemeinde St. Eberhard und das Katholische Stadtdekanat Stuttgart mit verschiedenen Veranstaltungen der Tatsache gedacht, dass König Friedrich I 1806 im neu errichteten Königreich Württemberg volle Religionsfreiheit gewährt hat.