Kirche als heilende Gemeinde für HIV-Infizierte

Krämer erinnerte daran, dass die Zahl der HIV-positiven Frauen weltweit zunehme. Junge Mädchen hätten in manchen Regionen der Welt ein sechsfach höheres Risiko an Aids zu erkranken im Vergleich zu den gleichaltrigen Männern. „Das liegt an ihrer ökonomischen und sozialen Abhängigkeit, die sie dazu bringt, Sex mit älteren Männern zu haben, und an ihrer größeren biologisch-anatomischen Verletzlichkeit“, so Krämer über die Ursachen der Steigerung der Infektionen bei jungen Frauen. Einen größeren Schutz vor Ansteckung könne dadurch entstehen, dass die Männer mehr Verantwortung übernähmen. Frauen dürften nicht mehr Opfer sexueller Gewalt werden.

Der Beitrag der Kirchen liege darin, dass sie über Länder- und Kontinentgrenzen hinweg einen wirklichen Austausch und ein persönliches Kennen lernen und voneinander lernen ermöglichten. Durch den Austausch werde deutlich, dass die Gemeinden in Deutschland und in der ganzen Welt von HIV betroffen seien. Das Problem sei nicht isoliert in der sogenannten Dritten Welt zu lösen. Es brauche eine Gemeinschaft über die Grenzen hinweg, damit ein tieferes Verständnis für die Ursachen und Bedingungen von HIV und auch der Lösungsansätze entstehe. Es gelte kein „eurozentrisches“ Modell zu verwenden, wo die Mission sozusagen von Europa und Deutschland ausgehe, sondern die Ortskirchen in den verschiedenen Regionen der einen Welt auf einer Ebene stünden und sich gegenseitig stärken könnten.

Im Kampf gegen Aids vertrete die Kirche eine ganzheitliche Herangehensweise, die die spirituelle Dimension mit einschließe. Das sei das „Mehr“ im Vergleich zur staatlichen Arbeit. Die „heilende Gemeinschaft“ sei wichtig. Sie umfasse die Annahme der Menschen mit HIV und „die Vermittlung der Annahme durch Gott und seiner Liebe an alle, die betroffen sind, die Abkehr von einer Bewertung der Krankheit als Strafe Gottes, die Begleitung im Leiden durch die Vermittlung von Hoffnung.“

HIV/Aids breitet sich seit 25 Jahren aus. Afrika südlich der Sahara ist der Teil der Welt, der am meisten von der Ausbreitung betroffen ist, mit 25 Millionen Menschen. Hier sind durchschnittlich 20 bis 40% bei den Erwachsenen, sogar bis zu 50% bei jungen Frauen zwischen 20 und 30 Jahren, HIV infiziert.