Kirche auf dem Frauenkopf wird stillgelegt

Mit der Stilllegung soll Zeit für die Suche nach weiteren, kreativen Lösungen für die Nutzung des Kirchenraums gewonnen werden. „Der Abbruch einer Kirche ist für mich nur eine ultima ratio, die letzte aller denkbaren Möglichkeiten. Neben den Argumenten von ‚Nutzen’ und ‚Brauchen’, von Kosten und Finanzen müssen auch die Dimensionen des Religiösen, der Pietät und der sakralen Architektur treten. Sie müssen abgewogen werden“, so Bischof Fürst. Der Bischof folgt damit auch einem Votum des Priesterrates der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der vom Bischof vor seiner Entscheidung gehört werden muss. Der Priesterrat hatte sich mehrheitlich für den Erhalt der Kirche ausgesprochen.

Eine eigens eingesetzte Kommission des Bischofs hatte sich in den vergangenen Monaten mit der Zukunft der Frauenkopfkirche befasst und unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten unersucht. Keines der behandelten Konzepte erschien jedoch realisierbar. Deshalb wurde keine neue Nutzungsoption ausgesprochen. Bischof Fürst wies darauf hin, dass sich die Kosten für den Erhalt der Kirche bei einer Stilllegung in vergleichsweise akzeptablen Grenzen halten.

Für alle seine Entscheidungen ausschlaggebend sei nicht allein das finanzielle Kalkül, so der Bischof von Rottenburg-Stuttgart in seinem Schreiben, sondern die theologische Sicht und ekklesiologische Bedeutung eines Gotteshauses. Als für Gottesdienst und Gebet erbauter und geweihter Ort sei das Kirchengebäude ein Ort der persönlichen Gottesbegegnung und damit fester Bestandteil der eigenen Lebens- und Glaubensbiografie vieler Menschen. In ihrer sakralen Architektur sei eine Kirche als Gebäude zugleich ein sichtbares Zeichen für ‚Kirche in der Welt’, für Transzendenz und christlichen Gottesglauben. „Wenn wir Gotteshäuser voreilig abreißen, leisten wir einer Gesellschaft und einer Mentalität Vorschub, die nur nach materiellen Erwägungen handelt und dem Religiösen keinen Raum mehr lässt.“

Mit seiner Entscheidung lädt der Bischof gleichzeitig die Gläubigen und Verantwortlichen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein, sich noch mehr Zeit für kreative Lösungen für die weitere Verwendung des Kirchraums auf dem Frauenkopf zu nehmen. Er werde sich selbst in der Sache engagieren und entsprechende Gespräche führen.

Die zuständige Kirchengemeinde St. Eberhard hatte schon Ende 2004 für einen Abbruch der Kirche auf dem Frauenkopf votiert. Die letzte Entscheidung über die weitere Verwendung von Kirchen liegt katholischem Kirchenverständnis entsprechend beim Diözesanbischof.