Kirche des Martyriums hören und ihr helfen

„Wir wollen von ihnen hören und ihnen helfen“, sagte der Rottenburger Domkapitular und Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, Rudolf Hagmann, am Freitag in Stuttgart bei einem Treffen mit Flüchtlingen und Geistlichen der chaldäischen und der syrisch-orthodoxen Kirche. Die Diözese ergriff die Initiative, nachdem die Bundesrepublik im Rahmen einer Kontingentlösung die Aufnahme von 2.500 Irak-Flüchtlingen zugesagt hatte.

Hagmann sicherte zu, die Diözese werde sich für eine Ausweitung des Kontingents einsetzen. 2.500 Flüchtlinge seien „wie ein Tropfen auf den heißen Stein“; Nachbarländer des Iraks hätten fast 1.000 Mal mehr Flüchtlinge aufgenommen. Der Domkapitular betonte, die Tradition der chaldäischen und der syrischen Kirche als einer der ältesten Kirchen des Christentums bedeute für die Kirche in Deutschland eine große Bereicherung. Gleichwohl verbiete es der Respekt der seit dem 1. Jahrhundert bestehenden „Kirche der Märtyrer“, Christen aus dem Irak "in den Westen zu locken" und so die Kirche in den Ländern ihres Ursprungs noch mehr zu gefährden.

Die Diözese werde aber Solidarität mit den vor Glaubensverfolgung orientalischen Christen zeigen, sagte Hagmann. Er zollte ihnen Respekt für ihr Ausharren unter widrigsten Bedingungen und ihren Mut, in eine neue Zukunft außerhalb ihrer Heimat – möglicherweise dauerhaft ohne Rückkehrmöglichkeit. In Deutschland hätten es viele geschafft, in einer beispiellosen Aktion mit selbst erstellten Namenslisten Anschluss an bereits hier lebende Verwandte zu finden. „Dass unter den Kontingent-Flüchtlingen auch Muslime sind, ist für uns selbstverständlich“, so der Domkapitular.

Der Apostolische Visitator für die Chaldäer in Europa, Monsignore Philip Najim, betonte, im Irak würden christliche Priester geschlagen, erpresst und bedroht mit der Aufforderung, Glauben und Gemeinden aufzugeben. Wer sich widersetze, werde ermordet, so Najim, unlängst ein Bischof in Mosul. Diese barbarischen Hinrichtungen würden im Irak nicht bekannt und von den Behörden nicht verfolgt. Umso mehr seien diese Verfolgungen für Christen im Ausland eine Herausforderung. Eine Tradition in uraltem christlichem Kulturgebiet werde in einer Eskalation der Gewalt zerstört. Es ist laut Najim ein „Martyrium der chaldäischen Kirche“, in dem die Gläubigen als Söhne des Landes ihre Dörfer und Häuser verlieren, an Leib und Seele erkranken und sich doch als stolze Iraker fühlen. Nur Versöhnung könne den Christen „nach viel Tränen und viel Blut“ Aussicht auf bessere Zukunft geben und sie zur Rückkehr bewegen.

Der Apostolische Visitator für die syrischen Katholiken in Westeuropa, Erzbischof Jules Mikhael Al-Jamil, wies darauf hin, dass die östlichen Kirchen von Anfang an als monarchische nicht auf Staatsgebiete festgelegt seien und traditionsreiche übernationale Glaubensgemeinschaften seien. Dieses Selbstverständnis stoße in der islamischen Welt auf Widerstand und führe zu Verfolgungen. Al-Jamil unterstrich, dass die katholischen Bischöfe jener Gebiete, in welche die irakischen und syrischen Christen flüchten, verantwortlich für diese Menschen seien. Die Visitatoren der östlichen Kirchen könnten lediglich dabei helfen. Al-Jamil dankte seinen deutschen Mitbrüdern im Bischofsamt und den aufnehmenden Diözesen für alles bisher Geleistete.

Uwe Renz