Kirche hinter Gefängnismauern

Die sechsseitige Broschüre beschreibt das Leitbild der Gefängnisseelsorger so: „Wir begleiten Menschen aus dem befreienden Geist Jesu.“ Ihr Ziel ist es, Brücken zu bauen und Freiräume zu ermöglichen, damit die Gefangenen ihr Leben in Haft aushalten und annehmen können. Sie sollen in ihrem Bemühen gestärkt werden, umzukehren und ein sinnerfülltes Leben ohne Straffälligkeit zu führen.

Voraussetzung für die seelsorgliche Arbeit mit den Gefangenen ist deren unvoreingenommene Annahme, so das Leitbild. Auch das Zeitnehmen für den anderen spielt eine wesentliche Rolle. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger verstehen sich als Repräsentanten der Kirche im Gefängnis: sie bieten den Gefangenen eine Heimat in ihrem Glauben und feiern mit ihnen Gottesdienste, Andachten und Meditationen. Sie sind aber auch offen für die Begegnung mit Gefangenen anderer Religionen und Kulturen, in der Fragen nach Sinn und nach Werten, nach dem Umgang mit Schuld und Vergebung, nach Glauben und persönlicher Zukunft zur Sprache kommen. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger unterstützen die Gefangenen darin, ihre Persönlichkeit und ihre sozialen Beziehungen zu entwickeln, und machen ihnen Mut zu konkreten Schritten.

Zu den Aufgaben der Gefängnisseelsorge gehört nach dem Leitbild auch, an einem guten Klima in der Anstalt mitzuwirken und bei Konflikten zu schlichten. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger stehen zu Gesprächen mit Gefangenen, Bediensteten und Ehrenamtlichen zur Verfügung und bieten ihnen auch Freizeiten an. Ihr Dienst im Gefängnis dient der Resozialisierung der Gefangenen, so das Leitbild, und trägt damit zum Schutz der Gesellschaft nach dem Prinzip Täterarbeit als Opferschutz bei.

Wie der Dekan für die Gefängnisseelsorge, Gregor Sorg, betont, verstehen die Seelsorgerinnen und Seelsorger ihre Arbeit als kirchliches Handeln hinter Mauern. Sie schlagen Brücken zu Menschen, die die Kirche sonst nicht erreicht, und sensibilisieren die Gläubigen der Kirchengemeinden für den Justizvollzug in ihrer Nähe. Grundlage und Maßstab ihres Handelns ist Gottes Liebe zum Menschen, der Gottes Ebenbild ist. Verschwiegenheit, der Zuspruch der Vergebung Gottes und die Vermittlung der Frohen Botschaft gehören zu den „Kernkompetenzen“ der Seelsorger in den Gefängnissen.

Das „Leitbild“ ist zu erhalten bei der Hauptabteilung IV - Pastorale Konzeption des Bischöflichen Ordinariats der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Postfach 9, 72101 Rottenburg, bei der Abteilung Seelsorge des Erzbischöflichen Ordinariats Freiburg, Schoferstraße 2, 79098 Freiburg, oder bei Dekan Gregor Sorg, Aspergerstraße 60, 70439 Stuttgart.