„Kirche in Guatemala steht auf der richtigen Seite“

Das Engagement der Kirche komme einem angesichts der politischen Entwicklungen in vielen Ländern des Südens zwar manchmal wie ein Tropfen auf den heißen Stein vor, aber nach Einschätzung des deutschen Botschafters scheine es so, dass sich in Guatemala nach dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Otto Pérez Molina eine Wandlung zum Positiven zumindest andeute. Insofern sei zu hoffen, dass die Maßnahmen der Kirche für die Armutsbevölkerung besser flankiert werden und entsprechend greifen können.

Als eindrucksvolles Beispiel einer konkreten Umsetzung der so genannten „Option für die Armen“ nannte Stäps das kirchliche Radiobildungsprogramm IGER, das seit Anfang der 1970er Jahre aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit unterstützt wird und besonders arme Menschen in ländlichen Regionen erreicht. Er wisse von vielen IGER-Absolventen, dass sie durch dieses Programm zu einem qualifizierten Abschluss und vielfach auch zu einer Hochschulausbildung gekommen seien. Die Rottenburger Delegation sei des Öfteren Bürgermeistern begegnet, die eine IGER-Ausbildung absolviert hätten. Daher sei diese Initiative als wirksamer Beitrag zur gesellschaftlichen Partizipation gerade auch armer Bevölkerungsgruppen zu bewerten.

Deutlich, so betonte Domkapitular Stäps, sei ihm das kirchliche Engagement für die Armen auch an Persönlichkeiten deutlich geworden, denen er in dem mittelamerikanischen Land begegnet sei. Besonders beeindruckt habe ihn der aus der Diözese stammende Pfarrer Peter Mettenleiter, der seit 37 Jahren in Guatemala lebe und arbeite und mit seinen 83 Jahren täglich viele Stunden im Land unterwegs sei, um seine zahlreichen sozial-karitativen Projekte zu besuchen. Als Beispiel für viele Amtsträger der dortigen Kirche nannte Stäps aber auch Bischof Alvaro Ramazzini von der Diözese San Marcos, der an der Seite der Bevölkerung gegen den Ausbau der Minen kämpfe, um weiteren Umweltverschmutzungen und Bergschäden entgegen zu wirken.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart unterhält seit dem Ende der 1960er Jahre partnerschaftliche Beziehungen zu den Diözesen Guatemalas. Seit 1973 fördert sie besonders das Radiobildungsprogramm IGER, das von dem aus Isny stammenden Jesuiten Franz von Tattenbach aufgebaut und besonders durch die Rottenburger Ordinariatsmitarbeiterin Gabriele Miller mit viel Energie unterstützt worden ist. Zu den Schwerpunkten der Partnerschaft gehört auch die Förderung der beiden Priesterseminare des Landes, die ebenfalls auf dem Besuchsprogramm der Rottenburger Gäste stand.