Bischof Sproll

Kirche und Politik ehren Bekennerbischof

Der von den Nazis aus seiner Diözese verbannte Rottenburger Bischof Joannes Baptista Sproll fand von 1941 bis 1945 Zuflucht bei den Schwestern der St. Josefskongregation von Ursberg in Krumbad - hier mit Sr. Gosberta Vochezer. Foto: Diözesanarchiv Rottenburg, N 72, Nr. 160-086

Beim Gedenkgottesdienst mit den Bischöfen Fürst und Meier würdigen auch Ministerpräsident Kretschmann und Staatsministerin Huml den mutigen Hirten.

Sein Name steht für einen aufrechten Kirchenmann, der mutig und unbeugsam dem NS-Regime die Stirn geboten hat und dafür von den Nazis in die Verbannung gezwungen wurde: Joannes Baptista Sproll. Das Heilbad Krumbad in Bayerisch-Schwaben, in dem der Rottenburger Bischof von 1941 bis Kriegsende Zuflucht fand, steht wiederum für die Gastfreundschaft der dort wirkenden Schwestern der St. Josefskongregation. An deren Stammsitz im nahen Kloster Ursberg ehren an diesem Freitag, 21. Mai, Kirche und Politik gemeinsam den Bekennerbischof Sproll mit einem Gedenkgottesdienst, den die beiden Bischöfe Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) und Dr. Bertram Meier (Augsburg) feiern. Im Rahmen des Gottesdienstes werden der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann und die bayerische Staatsministerin Melanie Huml gleichfalls den großen Bischof aus dem Oberschwäbischen würdigen.

Dem NS-Regime entschieden widersprochen

Das Gedenken könnte aktueller nicht sein: Wenn überwunden geglaubte Ungeister wie Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus wieder aufstehen, hilft ein Blick in die Vergangenheit, um Maß zu nehmen für das Handeln in der Gegenwart. Davon sind Dr. Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart, und sein Augsburger Amtsbruder Dr. Bertram Meier zutiefst überzeugt. Kein anderer katholischer Bischof hatte den Nationalsozialisten so entschieden widersprochen wie Joannes Baptista Sproll (1870-1949) – und dafür persönlich einen hohen Preis bezahlt. Krumbad im Landkreis Günzburg spielt eine Schlüsselrolle in der Zeit des Exils.

Das heute zur Stadt Krumbach gehörende Heilbad war die letzte Station einer Odyssee, zu der Bischof Sproll nach seiner Verbannung durch die Nationalsozialisten aus seiner Diözese gezwungen war. Am 24. August 1938 wies die Gestapo den Bischof zunächst nach Freiburg aus. Bad Wörishofen und das Kloster St. Ottilien waren weitere Aufenthaltsorte, ehe Sproll am 24. Januar 1941 nach Krumbad kam, wo er bis Kriegsende blieb. Insgesamt knapp sieben Jahre verbrachte Sproll im Exil, viereinhalb davon bei den Schwestern der Ursberger St. Josefskongregation, die das unweit gelegene Heilbad bis heute betreuen.

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„Mit brennender Sorge“

Der aus einfachen Verhältnissen stammende Joannes Baptista Sproll hatte mehrfach und früher als andere öffentlich gegen das Regime Stellung bezogen. Schon vor der Machtergreifung 1933 hatte der seit 1927 amtierende Rottenburger Hirte klar und deutlich vor den Nazis gewarnt: „Jedem Einsichtigen ist klar, dass Nationalsozialismus und Christentum Todfeinde sind.“ In Predigten bei Veranstaltungen mit bis zu 20.000 Teilnehmenden geißelte er die von dem NSDAP-Parteiideologen Alfred Rosenberg propagierte „Religion des Blutes und der Rasse“. Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass Bischof Sproll über seine häufigen Begegnungen mit dem Münchener Erzbischof Michael Kardinal Faulhaber (1869–1952) maßgeblichen inhaltlichen Einfluss auf die am 21. März 1937 veröffentlichte Enzyklika „Mit brennender Sorge“ von Papst Pius XI. hatte, die erste Generalabrechnung der katholischen Kirche mit dem Nationalsozialismus, die an Schärfe nichts vermissen ließ.  

Politisches Gespür hatte Sproll aber schon früh bewiesen: Von 1912 bis 1918 war er – zunächst in seiner Funktion als Domkapitular, später Weihbischof –  Abgeordneter in der Ersten Kammer des Württembergischen Landtags, der Ständekammer; ab 1913 war er auch gewählter Abgeordneter der Zweiten Kammer. Auch in der Verfassungsgebenden Landesversammlung von Württemberg wirkte er in den Jahren 1919 und 1920 als Abgeordneter aktiv mit.

NS-Schlägertrupps vor Bischöflichem Palais

Zum Eklat zwischen Sproll und dem NS-Regime kam es, als der Bischof am 10. April 1938 der Volksabstimmung zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich und der damit verbundenen Wahl der NSDAP-Liste in den Deutschen Reichstag fernblieb. Auf dieser Liste stand auch der Name jenes Alfred Rosenberg, in dessen Auslassungen Sproll einen „Generalangriff gegen jegliches Christentum“ erkannte. Für Sproll war die Weigerung, an diesem Urnengang teilzunehmen, eine klare Konsequenz seines bischöflichen Wahlspruchs „Fortiter in fide“ (Tapfer im Glauben). Für die NS-Machthaber war es ein offener Affront. Schlägertrupps der Nazis hielten Demonstrationen vor seinem Bischöflichen Palais ab, stürmten und verwüsteten es sogar.

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Wir übertragen den Gedenkgottesdienst am 21. Mai ab 10 Uhr live auf drs.de.

Rückgrat bewies Bischof Sproll auch gegenüber dem zeitweiligen Drängen des Vatikans, sein Bischofsamt aufzugeben. Offenbar aus Gründen der politischen Raison legte ihm der päpstliche Nuntius Cesare Orsenigo bei einem Besuch in Krumbad am 31. Mai 1941 aus Anlass seines bevorstehenden Silbernen Bischofsjubiläums den Amtsverzicht nahe. Sproll, so wird berichtet, habe am nächsten Morgen, dem Pfingstsonntag, dem Nuntius gesagt: „Ich bin der Bischof von Rottenburg und bleibe der Bischof von Rottenburg.“ Als solcher wurde er am 14. Juni 1945, dem 18. Jahrestag seiner Inthronisation als Bischof, nach Jahren der Verbannung in einem feierlichen Zug von vielen tausend Menschen zum Rottenburger Dom geleitet. Später kehrte der durch eine Erkrankung schwer beeinträchtigte Hirte nochmals zur Erholung nach Krumbad zurück, und zwar im November 1946 und im September 1947.

Relieftafel erinnert an Glaubenszeugen

An immer mehr Orten ist das Gedenken an Bekennerbischof Joannes Baptista Sproll lebendig. Jetzt erinnert in Krumbad eine neue Tafel an gleich zwei Glaubenszeugen, die mit dem Krumbad eng verbunden waren und während des Nationalsozialismus – zu unterschiedlichen Zeiten – dort weilten: neben Sproll auch der aus Stuttgart stammende Jesuitenpater Rupert Mayer. Am Freitag vor Pfingsten wird diese Tafel von den Bischöfen Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) und Dr. Bertram Meier(Augsburg) gesegnet. „Mutig im Glauben“ lautet die Überschrift der Tafel aus Aluminiumguss, die der Unterallgäuer Künstler und Theologe Franz Höchstötter geschaffen hat.

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