Kirchliche Führungskräfte sollen Geist-reich sein

In seiner Einführung fragte der Bischof, von welchem Geist die, die in der Kirche Leitung ausübten, getragen seien. „Der Geist Gottes ist uns in der Gemeinschaft der Kirche geschenkt“, betonte der Bischof. „Es ist nicht ein Geist der Verzagtheit, sondern es ist ein Geist der Kraft, der Liebe und der Barmherzigkeit.“ Im Leitbild der Diözesankurie werde ausdrücklich auf die Dimension des Reiches Gottes und den damit verbundenen Sendungsauftrag der Kirche verwiesen, so der Bischof.

Vom „spirituellen Mehrwert“ der kirchlichen Einrichtungen sprach die Fransziskanerschwester Edith-Maria Magar. Es gebe, so die Aufsichtsratsvorsitzende der Marienhaus GmbH, bilanzierfähige und nichtbilanzierfähige Wertschöpfung. Zu letzterer gehörten Empathie für andere, Glaube, Sinnstiftung, Vertrauen, Versöhnungsbereitschaft und Einsatzbereitschaft über die Dienstzeit hinaus. „Geist-reich“ Mitarbeiter zu führen, heiße dementsprechend, dem Reichtum der Gottesgaben zu vertrauen. Sie seien ein Geschenk der Liebe und kein eigener Verdienst. Die Begabungen zu entdecken, zu fördern, anzuerkennen und in das Ganze des kirchlichen Dienstes einzubeziehen, das schaffe eine Unternehmenskultur, in der sich Charismen entfalten und sich Menschen an ihren Unterschieden entwickeln könnten.

Neuere Studien belegten, dass der Erfolg eines Unternehmens zu einem großen Teil von der Ethik abhänge, die im Unternehmen umgesetzt werde, sagte die Ordensfrau. Ein besonderes Erfolgsmerkmal sei die ganzheitliche Betrachtung von Unternehmen und Mitarbeitern. Nicht allein der Shareholder Value stehe bei erfolgreichen Unternehmen im Vordergrund, sondern auch die nicht materiellen Ziele und Visionen, in denen der Mensch gefördert und Rücksicht auf die persönlichen Lebensumstände genommen werde. Neben der Wirtschaftlichkeit sei die Christlichkeit als Kriterium für erfolgreiches unternehmerisches Handeln durchaus geeignet, urteilte Edith-Maria Magar.

Der spirituelle Mehrwert christlichen Handelns drücke sich konkret aus „in der Einsicht in Sinn und Wert der Arbeit, in der Vermittlung von Schönheit, die das Wahre, Unverfälschte und Edle bekundet, sowie in der Liebe und der Erfahrung des Heiligen“. Gegen den gesellschaftlichen Trend der zunehmenden Auflösung der Solidargemeinschaft bilde die Kirche eine Dienstgemeinschaft mit einer spirituellen Dimension. „Was für eine Chance für die Kirche, den Menschen eine heilvolle Alternative anzubieten“, so Schwester Edith-Maria Magar.

Die Franziskanerin Edith-Maria Magar ist Aufsichtsratsvorsitzende der Marienhaus GmbH in Waldbreitbach, mit 57 verschiedenen Einrichtungen, darunter Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen und Hospizen, eine der größten christlichen Trägerorganisationen Deutschlands. Insgesamt sind in der Marienhaus GmbH in Waldbreitbach 11.000 Mitarbeiter/-innen beschäftigt. Sr. Edith-Maria Magar ist auch Vizepräsidentin des Deutschen Caritasverbandes.

Das Forum für Führungskräfte in der Diözesankurie der Diözese Rottenburg-Stuttgart fand zum vierten Mal statt. Es dient einmal im Jahr dazu, den Führungskräften in der Diözesankurie Impulse zu aktuellen Fragen zu geben und bietet ihnen einen Ort der Begegnung.