Kirchliche Stiftungen „hoffnungsvolle Pflanzen“ im gesellschaftlichen Umbruch

Der Bischof wies auf stärker werdende soziale Spannungen in Deutschland hin. Noch nie habe es so viel vererbbares Vermögen gegeben wie heute; dabei sei die öffentliche Hand klamm und Teile der Bevölkerung müssten in ungeahntem Maße Zumutungen auf sich nehmen. Die Kirche habe in dieser Situation ein Wächteramt gegenüber der Politik wahrzunehmen. Kirchliche Stiftungen seien dabei Zeichen christlicher Glaubwürdigkeit. „Der von den Kirchen vermittelte Glaube erhält mit jeder gegründeten Stiftung eine neue besondere Würde“, betonte der Bischof.

Der Staat ziehe sich aus der sozialen Gestaltung der Gesellschaft zurück und weise dem Einzelnen mehr Verantwortung zu, stellte Bischof Fürst beim Stiftungstag fest. Arbeitslosigkeit, Probleme mit der Gesundheitsvorsorge, Angst vor einer Mindestrente und der Albtraum einer nicht bezahlbaren Pflege ließen das Vertrauen der Menschen in den Sozialstaat schwinden. Gegenüber dieser Entwicklung müsse sich die Kirche, die selbst wachsendem gesellschaftlichem und finanziellem Druck ausgesetzt sei, positionieren; dabei könne sie auf „eine wunderbare Tradition historischer Stiftungen“ bauen.

Kirchliche Stiftungen decken laut Bischof Fürst inzwischen so gut wie alle Lebensbereiche ab, von der Hospizarbeit bis zur Schwangerenberatung, von der Kindergarten- bis zur Nichtsesshaftenarbeit, von der Erhaltung von Gebäuden über Kinder- und Jugendbildung bis zu Entwicklungs- und Katastrophenhilfe. Das finanzielle Potenzial zu Gunsten von Stiftungen sei in Deutschland enorm, so der Bischof. Jährlich würden 50 Milliarden Euro vererbt. „Und immer mehr unter diesen Erben sind nicht damit zufrieden, ihr Vermögen im sinnentleerten Konsum zu vergeuden oder zuzuschauen, wie sich ihr Geld sinnlos vermehrt." Für diese Menschen seien Stiftungen ein sinnvoller Weg, sich zum Wohl anderer einzusetzen.