Diözesanmuseum

Könige, Mode und Verletzlichkeit

Das Gemälde der „Anna Selbdritt“ des Ulmer Malers Jörg Stocker aus der Zeit um 1490 wird Teil der Ausstellung „Shaping Faith – Fashioning Splendour“ sein.

Das Gemälde der „Anna Selbdritt“ des Ulmer Malers Jörg Stocker aus der Zeit um 1490 wird Teil der Ausstellung „Shaping Faith – Fashioning Splendour“ sein. Vorlage: Diözesanmuseum Rottenburg.

Das Diözesanmuseum Rottenburg bietet im neuen Jahr ein abwechslungsreiches Programm und setzt unterschiedliche thematische Schwerpunkte.

Die große Jahresausstellung beschäftigt sich mit der Darstellung mittelalterlicher Gewänder und dem Thema Mode. Dank einer Kooperation mit der Fakultät für Gestaltung an der Hochschule Pforzheim stellen Studierende ihre Kollektionen im Museum aus. 

Die große Jahresausstellung trägt den Titel „Shaping Faith – Fashioning Splendour. Glauben formen – Pracht gestalten“ und wird in der Zeit vom 13. Februar bis zum 5. Juni zu sehen sein, berichtet Museumsleiterin Dr. Melanie Prange. „Inspiriert wurde die Ausstellung durch die in den vergangenen Jahren erfolgte Neueinordnung des Gewandes in der Forschung und der musealen Präsentation. In unserer Ausstellung wollen wir die prächtigen Gewänder in den spätmittelalterlichen Bildwerken des Museums nach ihrem symbolischen Gehalt befragen.“

Traditionelle und zeitgenössische Interpretationen des Gewands

Da die mittelalterliche Kunst Heilige und biblische Gestalten in Gewändern ihrer Zeit darstellt, werde zudem die Frage gestellt, wie zeitgenössische Mode Inhalte transportiert. „Um den Effekt der Aktualisierung anschaulich zu machen, gelang uns während des vergangenen Sommersemesters eine Kooperation mit der Hochschule Pforzheim.

Die dabei entstandenen Outfits der Studierenden werden in der Ausstellung unseren altehrwürdigen Kunstwerken gegenübergestellt, sodass traditionelle und zeitgenössische Interpretationen des Gewandes in den Dialog treten können“, erläutert die Museumsleiterin das Ausstellungskonzept.

Kunstwettbewerb "Vulnerable" ist ein großes Projekt

Ein weiteres großes Projekt werde im neuen Jahr der Kunstwettbewerb „Vulnerable“ sein, der von Juli bis Oktober 2021 ausgeschrieben war und sich aus aktuellem Anlass mit der Verletzlichkeit von Mensch und Schöpfung beschäftigt. Bischof Dr. Gebhard Fürst hatte den Wettbewerb initiiert und die Schirmherrschaft übernommen, die Umsetzung erfolgt durch das Diözesanmuseum.

Laut Prange wird eine zehnköpfige interdisziplinäre Jury nun Ende Januar aus den eingegangenen Bewerbungen zehn Preisträgerinnen und Preisträger nominieren und weitere zehn Anerkennungspreise vergeben. Der Wettbewerb soll die Arbeit junger Künstlerinnen und Künstler fördern und vor diesem Hintergrund würden die ausgezeichneten Arbeiten auch ausgestellt: Im Rahmen einer zweimonatigen Schau, sollen die Kunstwerke der Preisträgerinnen und Preisträger vom 27. Mai bis zum 24. Juli in der Stuttgarter Kirche St. Maria zu sehen sein. Vom 19. Juni bis zum 28. August würden die Arbeiten, die eine Anerkennung erhalten haben, im Diözesanmuseum in Rottenburg gezeigt.

Für die Ausstellung sei ein vielfältiges Begleitprogramm geplant. Bischof Fürst verleihe die Preise des Kunstwettbewerbs im Rahmen des Katholikentags, an dem sich das Diözesanmuseum mit weiteren Veranstaltungen beteiligen werde, sagt Prange. Mit verschiedenen Kooperationspartnern habe das Museum so die Kulturreihe „Nach(t)gedacht I–IV“ entwickelt, in der Musik, Tanz und Wort in unterschiedlichen Symbiosen zusammenfinden werden. 

Weihnachtsausstellung noch bis 2. Februar zu sehen

Noch bis zum 2. Februar lade im Diözesanmuseum zudem die Weihnachtsausstellung „adoratio. Der schwarze König an der Krippe“ zum Besuch ein, in deren Begleitprogramm es im Januar noch mehrere Veranstaltungen und Vorträge geben soll. Die Präsentation widme sich der Anbetung des Jesuskindes durch die Heiligen Drei Könige, einem äußerst populären Motiv der Kunstgeschichte und zugleich einem Motiv, das sehr vertraut ist, das aus heutiger Perspektive aber auch diskutiert werden könne, sagt Prange.

Ausgehend von den Kunstwerken des Diözesanmuseums wird dem Thema der „Anbetung der Könige“ nachgegangen und dazu auch eine moderne Interpretation von Otto Dix gezeigt. Die Ausstellung findet als „Intervention“ in der Dauerausstellung statt und bildet den Auftakt eines Konzepts, das auch im zweiten Halbjahr 2022 vermehrt auf aktuelle Fragen und Diskussion im Angesicht alter und neuer Kunst eingehen will.

„Schließlich werden im neuen Jahr auch außerhalb unserer Ausstellungsprojekte zahlreiche Veranstaltungen angeboten. Durch eine neue Kooperation mit der Diözesanbibliothek Rottenburg wird der Blick dabei auch auf neue Themenfelder gerichtet werden“, fährt Prange fort und verweist zudem darauf, dass für den Kreativraum der Rottenburger „KunstGasse“ wieder schöne Programme in Vorbereitung seien, die der Kreativität der Besucherinnen und Besucher Raum bieten werden.