Kompositionen mit Ausstrahlung auf die europäische Musikgeschichte

Dies hat der Rektor der Universität Tübingen, Professor Bernd Engler, bei der offiziellen Übergabe der Werke oberschwäbischer Klostermusik aus den Archivbeständen der Universität an die Diözese Rottenburg-Stuttgart betont. Die insgesamt 208 Titel des Notenarchivs waren von dem emeritierten Tübinger Musikwissenschaftler Professor Alexander Šumski von 1985 an in 20-jähriger Forschungsarbeit wiederentdeckt der Aufführung durch heutige Musikschaffende zugänglich gemacht worden. In der Diözesanbibliothek der Diözese Rottenburg-Stuttgart wurde für die weitere Aufarbeitung des kompositorischen Erbes oberschwäbischer Ordensgeistlicher eine eigene Abteilung „Musica Suevica“ gegründet; die Bestände der Bestände der Universität werden dort künftig als Dauerleihgabe zur Verfügung stehen, Alexander hat der Diözesanbibliothek außerdem eigene Bestände übereignet.

Musik aus oberschwäbischen Klöstern, so Professor Engler, sei keine „marginale Abteilung der Kirchenmusik mit lokaler oder allenfalls regionaler Bedeutung“. Vielmehr handle es sich hier um Kompositionen, die weit über die Klostermauern hinaus in die europäische Musikszene hineingewirkt hätten. Sie spiegelten die glanzvolle Geschichte sowie das hohe theologische, kulturelle und politische Niveau der großen ehemaligen Freien Reichsabteien wie Marchtal, Ochsenhausen, Rot an der Rot, Salem, Schussenried oder Zwiefalten wider, betonte Engler. Durch die Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts seien mit der Auflösung der Klöster „in kürzester Zeit kulturelle Werte der Kirchen in kaum vorstellbaren Umfang zerstört, verschleudert, dem Verfall und der Vergessenheit überantwortet“ worden.

Generalvikar Clemens Stroppel, der in Vertretung des erkrankten Bischofs Gebhard Fürst, die Übergabe in Form eines soeben erschienenen Katalog und einer Partitur des Prämonstratenserabtes und Komponisten Nikolaus Betscher aus Rot an der Rot entgegennahm, danke dem Rektor der Tübinger Universität für die „stets großzügige Unterstützung dieses Projekts“. Gegenüber Alexander Šumski betonte er, in dessen jahrzehntelanger Forschungsarbeit komme eine hohe Wertschätzung gegenüber dem Musikschaffen der oberschwäbischen Ordensgeistlichen zum Ausdruck. Šumski sei der Motor dieses Forschungsprojekts gewesen, betonte Stroppel. Er habe auch mit Energie dafür gesorgt, dass die Schätze, die er gehoben habe, in der Diözesanbibliothek Rottenburg einen angemessen Platz und eine sachgerechte Betreuung erhalten.

Generalvikar Stroppel bedankte sich ebenso wie Professor Engler auch beim ehemaligen Südwestfunk und beim heutigen Südwestrundfunk, die seit Jahren Kompositionen der oberschwäbischen Mönche aufgeführt und gesendet sowie Tonträger produziert haben, die jetzt ebenfalls bei der Diözesanbibliothek sind. Auch der „Verein zur Förderung der Musik Oberschwabens“ habe maßgeblich zu den sehr qualifizierten Aufführungen beigetragen.