Konservierend saniert

Mehrmals in seiner 500-jährigen Geschichte wurde das Madonnenbild, das in der Kirche Mariä Krönung zu sehen ist, bearbeitet. In der Landesdenkmalpflege in Esslingen wurde es jetzt konservierend saniert, von 1926 bis 1931 war es von der Stuttgarter Staatsgalerie behandelt worden. Große Aufmerksamkeit wurde dem Bild aus einem Schneewunder-Altar, das neben dem Isenheimer Altar zu Grünewalds Hauptwerken zählt, zuletzt 2011 in der Dresdner Madonnen-Ausstellung „Himmlischer Glanz“ zuteil.

Mit hochmodernen Analysemethoden wie Infrarottechnik, Röntgenfotografie und Scan-Dokumentation hatte sich das Esslinger Restauratoren-Team seit Januar zunächst einen Überblick über den Zustand des 1516 entstandenen Bildes verschafft. Dabei zeigten sich massive Übermalungen, Retuschen und Kittungen vor allem aus dem 19. Jahrhundert. Es sollte so restauriert werden, dass es die Aussage Grünewalds optimal wiedergibt, hatte Bischof Gebhard Fürst gewünscht. So sollten zu kräftige Übermalungen und Kittungen behutsam reduziert werden. Dies war nicht an jeder Stelle möglich. So ließ sich der links oben im Bild ursprünglich vom Meister Grünewald dargestellte Christus als Weltenrichter nicht mehr rekonstruieren. Restaurator Joseph von Tettenborn von der Staatsgalerie hatte ein Gottvater-Motiv an diese Stelle gemalt – sie wird so bleiben.

Grünewald hatte das berühmte Bild, das Diözesankonservator Wolfgang Urban als „Supernova der dürerzeitlichen Kunst“ bezeichnet, nach entsprechenden Rötel-Vorstudien gemalt, und doch erweiterte der Künstler den ursprünglichen Plan beträchtlich durch ein reichhaltiges Beziehungsfeld. Nach den Worten von Bischof Fürst ist das Werk mit seinen vielen Symbolen in Form von Pflanzen, Früchten, Farben und Formen „ein starkes Glaubenszeugnis von bleibendem Wert“. Am 25. November wird er im Rahmen eines großen Festes das sanierte und von Spezialglas geschützte Bild begrüßen. Von da an wird es in einer klimatisch geschützten und gesicherten Kapelle wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Info-Material wird den Besuchern den inhaltlichen Zugang zum Meisterwerk erleichtern.

Rund 480.000 Euro kostet die Sanierung des Bildes, deren Kosten sich Diözese, Landesdenkmalpflege und Deutsche Stiftung Denkmalschutz teilen. Kosten entstehen zudem durch die Sanierung der Kapelle, die von der Diözese allein getragen werden.

Hinweis: Zum Gottesdienst am 25. November mit Bischof Fürst um 10 Uhr und zur Andacht um 14.30 stellt drs-media einen Live-Stream aus Stuppach bereit unter www.drs.de.

Uwe Renz