Kunst und Kirche im Dialog

Nach einem Gottesdienst in der benachbarten Antoniuskirche mit der traditionellen Austeilung des Aschekreuzes referierte Professor Nils Büttner von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zum Thema „Kunst kann Kirche! – Kann Kirche Kunst?“.

In seiner Predigt erläuterte Bischof Gebhard Fürst die hohe Bedeutung von Bildern und Skulpturen für den Glauben. Am Beispiel der Fotos vom Anschlag auf das World Trade Center 2001 beschrieb Bischof Fürst, wie Bilder Unsagbares und Unbegreifliches kommunizieren. Bilder reduzierten komplexe Wirklichkeiten so, dass der Mensch sie aufnehmen könne. „Das Sehen des Bildes gegenüber dem Hören einer Botschaft hat eine nicht ersetzbare Bedeutung in der Vermittlung von Wirklichkeit“, betonte er. Um Glauben nicht „als diffuses Etwas, sondern als Wirklichkeit weitergeben zu können“, reiche das Reden nicht hin. Es brauche sinnlich wahrnehmbare Bilder und Riten wie eben beispielsweise das sicht- und spürbare Aschenkreuz, um die Lebenswirklichkeit des Glaubens – am Aschermittwoch die Vergänglichkeit des Menschen – zu vermitteln.

„Wir schaffen eine Dialogsituation zwischen Kunst und Kirche, weil uns an einer Entwicklung in gegenseitiger Auseinandersetzung gelegen ist“, erklärte Ilonka Czerny, die das Kunstreferat der katholischen Akademie in Hohenheim leitet, den Zuschnitt des Aschermittwoch für Künstler. Damit traf die Veranstaltung das Anliegen des Gastredners Nils Büttner von der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Der Professor für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte mahnte in seinem Vortrag mehr Austausch zwischen Künstlern und Kirche an. Er legte in seinem Vortrag dar, dass auch nach der Aufklärung, welche das rein ästhetische Erleben der Kunst postuliert habe, die Kunst als Mittlerin nicht zuletzt religiöser Botschaften verstanden werden kann. Büttner erklärte, auch abstrakte Kunst könne Anlass für Meditation sein. Allerdings reiche Frömmigkeit für ein angemessenes Urteil nicht aus. „Wo echter Glaube Kunst macht, kommt nicht immer Kunst raus“, erläuterte er am Beispiel der laienhaft übermalten Christusdarstellung in Borja in Spanien, die im vergangenen Sommer weltweit für Schlagzeilen sorgte, aber auch an zeitgenössischem Kunsthandwerk, wie es in vielen Kirchen zu finden ist. „Manche Eingriffe kommen der ästhetischen Zerstörung eines sakralen Raums nahe“, mahnte Büttner und appellierte, Kirche und Künstler sollten viel mehr miteinander reden. Als positives Beispiel zeitgenössischer Kunst in der Kirche führte er unter anderem die Glasfenster der Künstlerin Angelika Weingardt in der evangelischen Regiswindiskirche in Lauffen am Neckar an.

***

Prof. Dr. Nils Büttner: geb. 1967, studierte Kunstgeschichte, Volkskunde und klassischen Archäologie und promovierte an der Georg-August-Universität Göttingen über Kosmographie und Landschaftskunst im Zeitalter Bruegels. 2005 habilitierte er sich mit der Arbeit „Herr P. P. Rubens. Von der Kunst, berühmt zu werden“ am Institut für Kunst und Materielle Kultur der Technischen Universität Dortmund. Seit Oktober 2008 hat er den Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kunstgeschichte an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart inne.

 

Cäcilia Branz