Kunstsammler und Reformtheologe mit sozialer Ader

Rottenburg. 4. Oktober 2015. Als kenntnisreichen Kunstsammler und weitblickenden Reformtheologen mit hohem sozialem Engagement hat Bischof Gebhard Fürst den vor 150 Jahren verstorbenen Priester und Theologieprofessor Johann Baptist Hirscher (1788-1865) gewürdigt. Der aus Bodnegg bei Ravensburg stammende Hirscher rage mit seinem scharfsinnigen und für die damalige Zeit außergewöhnlich fortschrittlichen Denken über viele seiner Zeitgenossen hinaus, sagte der Bischof am Sonntag im Rottenburger Diözesanmuseum bei der Eröffnung einer Ausstellung über Hirscher mit dem Titel „Glaube – Kunst – Hingabe - Johann Baptist Hirscher als Sammler“. Religiöse Kunst habe er als Professor in Tübingen und Freiburg sowie als Domherr dort in erster Linie gesammelt, um mit ihr den christlichen Glauben zu vermitteln.

Hirscher, der selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammte, habe sich mit den Erlösen aus dem späteren Verkauf seiner 250 Werke umfassenden Sammlungen vorbildlich für gefährdete Kinder und Jugendliche eingesetzt, betonte Bischof Fürst. So verdankten ihm „Rettungsanstalten“ in Riegel, Walldürn und Blumenfeld ihre Existenz. Auch wegen dieser sozialkaritativen Haltung habe der Theologe und Kunstkenner Ehrentitel wie „der edle Hirscher“ oder „eine der größten Zierden des Schwabenlandes“ erhalten.

Die von Direktorin Melanie Prange und ihrem Mitarbeiter Milan Wehnert organisierte Ausstellung ist vom 6. Oktober bis 6. März 2016 zu sehen. Sie enthält von Hirscher gesammelte und oft vor Verlust oder Zerstörung gerettete altdeutsche Gemälde, Skulpturen und Altarbilder. Ausgestellt sind Werke von Zeitblom, Strigel, Cranach, Burgkmair und anderen wichtigen süddeutschen und niederländischen Künstlern. Neben den Arbeiten von internationalem Rang bekommen die Besucher einen Einblick in die Persönlichkeit des Theologen Hirscher, der als Vertreter der reformorientierten Tübinger Schule die Katechetik als wissenschaftliche Disziplin begründete.

Hirscher war theologisch in manchen Punkten seiner Zeit voraus, etwa mit seiner Forderung nach Liturgie in deutscher Sprache. Zu sehen sind von ihm unter anderem Portraits, Originalbriefe, sein Testament sowie ein aufwändig gestalteter Messkelch, den er zum 50. Priesterjubiläum vom Freiburger Domkapitel geschenkt bekam. Die in Rottenburg gezeigten Exponate stammen von verschiedenen Museen, Archiven, Bibliotheken und aus Kirchengemeinden. Hirschers Sammlung bildete den Grundstock unter anderem für die Karlsruher Kunsthalle.

Hinweis: Zur Ausstellung gibt es einen von Melanie Prange und Milan Wehnert erstellten Katalog: Glaube - Kunst – Hingabe. Johann Baptist Hirscher als Sammler, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern, 288 Seiten, 24,90 Euro.