Lebensklugheit, Menschennähe, Mutterwitz

Über zwölf Jahre lang war Prälat Glaser als Leiter der Hauptabteilung Pastorales Personal im Rottenburger Ordinariat für die Priester und Laienmitarbeiter in der Seelsorge der Diözese Rottenburg-Stuttgart verantwortlich. Für ihn als Bischof sei Glaser „ein verlässlicher, diskreter und hilfsbereiter Gesprächspartner und Ratgeber“ gewesen, im Kreis der Diözesanleitung ein „loyaler, engagierter und besonnener Domkapitular“, betonte Bischof Fürst. Bereits in seiner früheren Tätigkeit als Gemeindepfarrer und Dekan habe sich Franz Glaser durch eine „überragende seelsorgerliche und organisatorische Kompetenz“ ausgezeichnet. Maßgeblich sei für ihn ein Verständnis des kirchlichen Glaubens, „miteinander auf dem Weg“ zu sein. In seiner Rottenburger Tätigkeit als Personalchef habe er sich „großes Vertrauen bei allen pastoralen Diensten“ erworben; „seine ausgesprochene Teamfähigkeit brachten ihm große Autorität und Anerkennung“, bescheinigte Bischof Fürst seinem langjährigen engen Mitarbeiter. Seine leitende Mitwirkung auch in schwierigen Aufgabenbereichen, so etwa in der diözesanen Kommission „sexueller Missbrauch“ mache deutlich, „dass sich Franz Glaser niemals und in keinem Zusammenhang aus der Verantwortung zurücknehmen wollte“, sagte der Bischof und fügte hinzu: „Er hat vielmehr auch in schwierigen Zusammenhängen und in knifflig-langwierigen Prozessen stets seine deutliche Bereitschaft signalisiert und all seine Kräfte zum Wohl der Kirche unserer Diözese Rottenburg-Stuttgart eingesetzt.“

Prälat Franz Glaser kehrt jetzt in seine oberschwäbische Heimat zurück, wo er viele Jahre Pfarrer und Dekan war. Aus seinen tiefen Wurzeln und seinen „Erfahrungen des Glaubenslebens in der oberschwäbischen Frömmigkeit“ habe er nie einen Hehl gemacht, sagte Bischof Fürst und stellte die Frage, ob denn der Abschied von Rottenburg nicht so etwas wie eine „festliche Ouvertüre für eine Heimkehr ins Paradies“ sei.

Bodenständigkeit und Menschennähe, zugleich auch aber auch lebenserfahrene Klugheit und seelsorgerliche Sensibilität sind Eigenschaften, die auch andere Festredner dem künftigen Pensionär Glaser bescheinigten. Weihbischof Hans Kreidler sagte als Domdekan „seinem“ langjährigen Domkapitular, bei ihm strahle durch, wofür er stehe: „ein zwischenmenschlich erfahrbares und strukturiertes Reich Gottes“. Auch im Umgang mit den Mitarbeitenden des Bischöflichen Ordinariats sei Glaser Seelsorger gewesen, „leise und mit tiefem Gespür für die Menschen“. Mit einem guten Blick für die Menschen habe er auch die Personalpolitik der Diözese betrieben. Obwohl zupackend und entscheidungsfreudig, hat Glaser nach den Worten Kreidlers dennoch „in der Schnelligkeit der Liebe gehandelt“ und sich als „ehrlicher Makler“ bewährt.

Im Namen des Diözesanpriesterrats und des Diözesanrats schrieb der Sprecher des Priesterrats und Stuttgarter Pfarrer Herbert Schmucker Domkapitular Glaser in sein Abschiedszeugnis, er habe sich einer Aufgabe gestellt, „die alles von ihm forderte und der er sich mit ganzem Herzen hingab“. Bodenständig sei er gewesen und niemals „abgehoben“.

Die Wertschätzung der Mitarbeiterschaft der Hauptabteilung Pastorale Berufe für ihren langjährigen Chef brachte Lothar Schubert zum Ausdruck, der an viele schwierige Personalsituationen erinnerte, in denen Franz Glaser sehr lange zuhörte, bevor er selbst das Wort ergriff. Auch Enttäuschung und Frust der Menschen geduldig anzuhören und auszuhalten sei ihm stets wichtig gewesen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihm seine Chefqualitäten mit einem eigens für ihn gedichteten und komponierten Lied gedankt – und mit einer gedruckten Sammlung von „Weisheiten eines oberschwäbischen Prälaten“, einer über Jahre hinweg festgehaltenen Zitatensammlung, in der Mutterwitz und Lebensklugheit Franz Glasers besser als in jeder Würdigung zum Ausdruck kommen.

Die „missionarische Kirche im Volk“, die pastorale Maxime von Bischof Gebhard Fürst, wählte Prälat Glaser zum Ausgangspunkt seiner Abschiedsansprache. Es könne heute nicht um traditionelles Verharren und Glorifizierung der Vergangenheit gehen und auch nicht darum, sich in eine „Ecke des Jammerns“ zurückzuziehen, sondern es gelte, „im geborgenen Vertrauen auf Jesus Christus mitten unter den Menschen zu stehen“. Gott und den Menschen nahe zu sein, sei immer eine Richtschnur seines priesterlichen Dienstes und Lebens gewesen. Das Leben müsse „geistlich durchdrungen“ sein. Dabei gehe es nicht um viele und besondere geistliche Übungen, sondern darum: „Gott nahe, in Gott verwurzelt und zugleich den Menschen nahe mit all ihren Freuden und Leiden, mit all ihren Fähigkeiten und Skurrilitäten, mit ihrer fast unerschöpflichen Liebe und ihrem Liebeshunger, aber auch mit ihren Sorgen, Ängsten, Zweifeln, Nöten, Ich-Bezogenheiten, Neidanfällen und Wutausbrüchen“. Über alle individuellen Wünsche und Bedürfnisse hinaus müsse es in der Kirche um das „einigende Band des einen Geistes“ gehen, allerdings nicht um Einheitlichkeit und Uniformität. Die stets notwendige Veränderung in der Kirche beginne vor allem „durch die hautnahe, oft mühselige eigene Veränderung im kleinen Bereich und in der nächsten Umgebung“. Die Kirche dürfe nicht „lauthals von Politikern und Gesellschaft fordern, was wir selbst nicht einlösen, sonst leidet unsere Glaubwürdigkeit“. Im Rückblick auf seine Tätigkeit als Personalreferent betonte Glaser: „Ich habe keine nebulösen Spiele mit den mir anvertrauten Menschen gemacht, sondern in Ehrlichkeit und Wahrheit versucht, mit Verständnis und Liebe zu lösen, was zu lösen war, und manches halt auch ertragen, was nicht zu lösen war“.

Franz Glaser wurde am 30. Juli 1938 in Schemmerhofen (Kr. Biberach) geboren. Zum Priester geweiht wurde er am 18. Juli 1965 in Riedlingen. Nach Vikarsjahren in Bolheim, Stuttgart-Rot und Urach wurde er im Juni 1970 Stadtpfarrer von Urach. Im November 1977 wechselte er als Pfarrer nach Baindt (Kr. Ravensburg); zugleich wurde ihm die Studentenseelsorge an der Pädagogischen Hochschule Weingarten übertragen. Auch danach blieb Glaser Oberschwaben treu: Im November 1982 kam er als Pfarrer an die Pfarrei St. Blasius in Ehingen an der Donau, zu der auch die Betreuung der Gemeinde Nasgenstadt gehörte. Im Laufe der folgenden Jahre kamen zusätzliche Aufgaben als Pfarrverweser in Altsteußlingen und Gamerschwang dazu. Im Oktober 1984 wurde er zum Kreisdekan des Alb-Donau-Kreises gewählt und übte dieses Amt bis Juli 1996 aus. Parallel dazu, von Dezember 1990 bis September 1997, war er Dekan des Dekanats Ehingen. Mit Wirkung vom 16. September 1997 berief ihn der damalige Bischof Walter Kasper als Domkapitular nach Rottenburg und übertrug ihm die Verantwortung für das gesamte in der Seelsorge der Diözese tätige Personal; diese Leitung der heutigen „Hauptabteilung V – Pastorales Personal“ hatte er – neben zahlreichen anderen Aufgaben in der Diözesanleitung - bis zu seiner Verabschiedung am 31. März 2009. Im Juni 1998 wurde Franz Glaser zum Päpstlichen Ehrenkaplan, im Februar 2002 zum Päpstlichen Ehrenprälaten ernannt. Seinen Wohnsitz wird Prälat Glaser künftig im oberschwäbischen Untermarchtal nehmen.