„Leibhaftig unter uns“

Rottenburg. 4. Juni 2015. Als Mittel zum Leben und Überleben hat Bischof Fürst am Fronleichnamstag die Gegenwart Christi in Brot und Wein bezeichnet. „Brot vom Himmel ist Heil stiftendes Geschenk des liebenden Gottes an uns Menschen in einer anonymen Welt“, sagte er am Donnerstag im Rottenburger Dom St. Martin. Das Heilszeichen von Brot und Wein, die Eucharistie, verweise auf göttliche Wirklichkeit und mache sie erfahrbar. „Das kann Kraft verleihen zum Leben und zum Überleben.“

In der leibhaftigen Verbundenheit mit Gott könnten Christen Grenzen überwinden und Schranken abbauen, betonte der Bischof. So wie Gott in Christus die Trennung zwischen sich und den Menschen überwunden habe, so hätten die Menschen die Freiheit, aufeinander zuzugehen und mit Leib und Seele Einheit zu finden. In der Fronleichnamsprozession werde dieser Impuls sichtbar und spürbar. „Wir tragen Christus in der Gestalt des Brotes durch die Straßen als Zeichen der Liebe Gottes.“ Fronleichnam sei damit ein Fest der Freude, an der Christen aller Konfessionen teilhaben können.

Im Mittelpunkt des Hochfestes Fronleichnam zehn Tage nach Pfingsten steht die Eucharistie, die Feier der Gegenwart Christi in Brot und Wein. Der vor etwa 750 Jahren entstandene Name bedeutet „Leib des Herrn“. Das Fest geht auf eine Vision der Nonne Juliane von Lüttich 1209 zurück, die den Mond als Symbol für das Kirchenjahr mit einem dunklen Fleck sah. Papst Urban IV. machte es 1264 zum allgemeinen Kirchenfest. In vielen Kirchengemeinden wird seit dem 13. Jahrhundert bis heute an Fronleichnam die geweihte Hostie durch die Straßen getragen.

Uwe Renz