Kunst

Leidenschaft für sakrale Kunst

Ludger Droste und Rosa Gmünder von der Besitzerfamilie vor dem Arma-Christi-Kreuz bei Katzheim in der Gemeinde Schlier - Foto: DRS/Markus Waggershauser

Ludger Droste aus Schlier setzte sich für die Renovierung eines Passionskreuzes ein. Am Sonntag ist die Segnung.

"Wegkreuze gibt es in Hülle und Fülle, aber Arma-Christi-Kreuze sind eher sporadisch gesät", erklärt Ludger Droste. 50 davon hat der pensionierte Gymnasiallehrer in den letzten Jahren aufgrund einer recht ungenauen Landkarte im östlichen Oberschwaben und im Westallgäu mit dem Fahrrad aufgespürt und festgehalten. Ursprünglich wollte er nur ein Fotobuch für seine inzwischen auswärts lebenden Söhne mit Erinnerungen an die Heimat erstellen.

Dann hatte eine Darstellung des Cruzifix mit Passionswerkzeugen oberhalb von Katzheim nahe seines Wohnortes Schlier bei Ravensburg sein Interesse geweckt. "Es war vermoost und eingewachsen, so dass überhaupt keine Sonne dran kam", beschreibt der 71-Jährige den Zustand des Wegzeichens. Er sprach mit der Besitzerfamilie Gmünder, die sein Vorhaben einer Renovierung gerne unterstützte. Daraufhin machte sich Droste auf die Suche nach Sponsoren und wurde bei der diözesanen Stiftung Wegzeichen-Lebenszeichen-Glaubenszeichen, beim Landkreis, der Kommune und Geldinstituten fündig. Falls es unerwartet teurer werden sollte, wollen die örtlichen Kirchengemeinden einspringen.

Segnung mit einer Andacht

Am kommenden Sonntag, 27. September, feiern die Schlierer um 15 Uhr mit einer Andacht nun die Neueinsegnung des Katzheimer Kreuzes. Dabei erstrahlt der Gebetsort nicht nur farblich in neuem Glanz. Droste entdeckte bei der Begutachtung Halterungen auf der Rückseite, die auf fehlende Teile hinwiesen. Der Pädagoge verglich das Exemplar mit den anderen Darstellungen in der Region, die dem gleichen Typus zuzuordnen sind, und fertigte eine Bleistiftskizze mit Ergänzungen. Dazu gehörte etwa die Fackel bei der Festnahme Jesu im Garten Getsemani, das Geldsäckchen des Judas oder eine Handfessel an der Geißelsäule.

Flaschner Huber aus Kißlegg setzte die Renovierung des Kreuzes und die Ergänzungen fachmännisch um und Ruth Welte fasste das Kunstwerk aus dem späten 19. Jahrhundert farblich neu. Zuvor holte Ludger Droste aber die Expertise des Denkmalamts in Ravensburg und von Professor Manfred Thierer aus Leutkirch, einem ausgewiesenen Kenner sakraler Kunst, ein. Obwohl sonst der Status Quo Spekulationen über den Urzustand vorgezogen würde, hätten ihn beide unterstützt, freut sich der rührige Pensionär über das gelungene Werk.

Mit Blick in die Berge

Die Sicht war in den letzten Tagen durch das trübe Wetter und den hohen Mais eingeschränkt. Ludger Droste freut sich nun nach dessen Ernte auf das Kreuz vor dem Panorama des Säntis. Von Manfred Thierer hat er die Erkenntnis, dass die Kunstwerke wie Scherenschnitte vor dem Horizont am besten wirken. So brachte er Besitzer Anton Gmünder dazu die verwucherten Bäume radikal zurückzuschneiden. Da nun das Werk vollbracht ist, will Droste gerne die Besitzer anderer Arma-Christi-Kreuze auf ihre Kostbarkeiten hinweisen und seine Erfahrungen  bei der Renovierung weitergeben. "Das müssen die dann aber selber machen", fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu.