Leiser Abschied mit Dankbarkeit und Respekt begleitet

Mit Dankbarkeit und Respekt begleite die Gottesdienstgemeinde den „leisen Abschied“ der Mönche aus Weingarten, so der Bischof. Nach rund tausendjähriger Geschichte geht damit benediktinisches Leben der traditionsreichen, in der Säkularisation aufgelösten und 1922 wiederbesiedelten Abtei zu Ende. Allerdings ist Bischof Fürst darum bemüht, dass auch künftig wieder eine Ordensgemeinschaft das Kloster auf dem Weingartener Martinsberg belebt.

Die Benediktiner hätten in Weingarten, in der ganzen Region Oberschwaben und weit darüber hinaus wichtige Zeichen gesetzt, betonte der Bischof. Auf dieses Zeichen könnten Welt und Gesellschaft heute weniger denn je verzichten. Im Zeitalter der aufgeklärten Moderne werde leicht vergessen, dass Klöster und Ordensgemeinschaften die abendländische Kultur erhalten und gestaltet hätten. Gerade benediktinische Mönche hätten Tradition in gutem Sinn konkretisiert. Nicht zuletzt dank ihrem Einsatz könnten heute philosophische, theologische und ethische Diskussionen auf hohem Niveau geführt werden. Von weit reichender Wirkung sei der Leitgedanke der Benediktinerregel: „Ora et labora – bete und arbeite“. Er besage, dass christliches Leben bestimmt werde durch die Bindung an Gott und gleichermaßen durch den leidenschaftlichen Einsatz für die Welt. Die beherzte Annahme des Wortes Gottes und der dem angemessene konkrete Lebensstil im menschlichen Miteinander werde darin mit dem Verstehen, ja mit der Nähe Gottes in Zusammenhang gebracht. „Betet, haltet Beziehung zum lebendigen Gott – und seid aus dieser lebendigen Beziehung tätig für ein gutes, geistlich geprägtes Miteinander in einer diakonisch-missionarischen Kirche“: Dieses Vermächtnis hinterlassen nach den Worten von Bischof Gebhard Fürst die Benediktinermönche über ihren Abschied von Weingarten hinaus. Das gelte heute und auch in Zukunft.

Eine bedrängende Frage nannte der Bischof ein Wort Jesu aus dem Bibeltext des Abschiedsgottesdienstes: „Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben vorfinden?“ Nur zu deutlich verstärke der Weggang der Mönche vom Martinsberg die Sorge und Bedrängnis, die aus dieser Frage sprächen, betonte Bischof Fürst. Die Frage Jesu, ob künftig noch Glaube anzutreffen sei, sei „nicht dazu angetan, uns zu beruhigen, so wenig wie die Zeit, in der wir leben“. Es sei eine Zeit der Bewährung, der Geduld und des beharrlichen Betens. Die Kirche insgesamt sei herausgefordert, eine Antwort auf das Zeichen zu geben, das der Abschied der Weingartener Benediktiner bedeute, sagte der Bischof.

Dr. Thomas Broch