Lektionen fürs Leben aus dem Garten

Wer sich mit dem Garten als Sinnbild der dem Menschen anvertrauten Schöpfung befasse, werde selbst als Mensch seinen Platz in der Schöpfung erkennen, sagte Bischof Fürst am Sonntag beim ökumenischen Gottesdienst zum Auftakt der Landesgartenschau in Nagold und des dortigen ökumenischen Projekts „Wachsende Kirche“. Ein einfühlsam kultivierter Garten zeige eindrucksvoll, wie der Mensch an der von Gott geschenkten Schöpfung mitwirken kann. Wer dies erkennen wolle, brauche wache Sinne. „Für wen alles eben nur so da ist, der wird diese Sinnfülle nicht sehen.“

Gärten können dem Bischof zufolge Lektionen erteilen für das menschliche Zusammenleben. Sie bedürften kompetenter Planung, Zuwendung und Pflege wie auch schweißtreibender Arbeit. Gleichwohl wiesen sie darauf hin, dass sie nicht einfach machbar seien, sondern immer das Angebot, „des großen Gärtners Gott“, als Basis menschlicher Arbeit voraussetzten. „Im Garten hat der Mensch als Gottesebenbild den Auftrag, ihn zu bebauen und zu hüten.“

Die Texte der Bibel, etwa der Schöpfungsbericht oder die Psalmen, hätten dafür durch die Jahrhunderte ein feines Gespür gezeigt, betonte Bischof Fürst. Gärten könnten mahnen, den Einklang von Mensch und Schöpfung zu wahren. „Diese Mahnung haben wir dringend nötig angesichts eines modernen Machbarkeitswahns.“ Als Beispiele dafür nannte der Bischof überzogene Erwartungen an die Human-Gentechnologie, die Ausbeutung unwiederbringlicher Bodenschätze durch Industrieländer, aber auch einen global aberwitzigen Umgang mit Lebensressourcen in Form von Finanzkapital. „Den Garten als Mikrokosmos Gottes zu meditieren, kann Wegweisung zum Leben und Überleben bedeuten.“

Uwe Renz