Liebe zur Kirche in guten wie in schlechten Tagen

Am Mittwochabend, 19. Mai, hat Bischof Fürst ihn im Kreis zahlreicher Gäste aus der Diözesanleitung, der Ökumene, des universitären Lebens, den Stätten des pastoralen Wirkens und dem persönlichen Umfeld von Hubert Bour in den Ruhestand verabschiedet. Er möge „nicht ganz fremd“ werden, bat der Bischof den langjährigen Theologie- und Ökumeneexperten; und diese Gefahr besteht auch nicht, denn bereits jetzt hat Bour Firmungen im höheren zweistelligen Bereich in der Diözese zugesagt. Ebenso bleibt er weiterhin Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK)in Baden-Württemberg sowie Mitglied der internationalen vatikanischen Kommission für den Dialog mit der Altkatholischen Kirche, in die er 2004 berufen worden war.

Hubert Bour wurde im September 1941 im niederländischen Schaesberg geboren; im April 1965 wurde er in Roermond zum Priester geweiht. Den Wissenschaftlichen Assistenten des Tübinger Moraltheologen Alfons Auer holte Bischof Georg Moser 1975 als Persönlichen Referenten zu sich. Bours Roermonder Heimatbischof gab ihn damals „als guten theologischen Sachberater“ frei. 1980 wurde er der damals jüngste Domkapitular der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Sein Amtsvorgänger Georg Moser habe seinerzeit „mehr als ein gutes Händchen“ bewiesen, als er Hubert Bour nach Rottenburg geholt habe, betonte Bischof Fürst. Abgesehen von Bours umfassender theologischer und literarischer Bildung falle ihm niemand ein, der „in der Frage und Sache Ökumene so kompetent, in den Begegnungen so vernetzt und in der Geschichte der Ökumene so bewandert“ sei wie Bour. Dabei sei für Bour Ökumene immer zuerst lebendiger Dialog, Austausch und Begegnung von Menschen aller Konfessionen. Mit Blick auf die Ökumene in Württemberg betonte der Bischof, das gute Verhältnis zu Evangelischen Landeskirche sei auch eine Wirkung der herzlichen Art im Umgang mit den Menschen und eine Frucht der hohen theologischen Kompetenz Bours in Fragen der Ökumene.

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„Die Ökumene hat Dich geprägt, und Du hast die Ökumene geprägt“, so verabschiedete der Dekan des Domkapitels, Weihbischof Johannes Kreidler, das Kapitelsmitglied über 30 Jahre hinweg, Hubert Bour. Ökumene, so Kreidler, lebe von der Weite. Bour habe geistige und theologische Weite in seiner Person verkörpert. In seiner weltmännischen, gewandten und humorvollen Art habe der Niederländer Bour die schwäbische Weite bereichert, fügte der Weihbischof scherzend hinzu. Persönlich und intellektuell überzeugend, sei Bour ein „Zeuge für die Catholica“, die umfassende Offenheit der Kirche. Die Erfahrungen von Stagnation in der Ökumene und in der katholischen Kirche hätten Bour in den vergangenen Jahren persönlich bedrückt, betonte Weihbischof Kreidler.

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Abschiedsworte müssten so kurz sein wie Liebeserklärungen, meinte Hubert Bour mit Bezug auf Theodor Fontane in einem sehr persönlichen Dankeswort. Sein Abschiedswort sei eine Liebeserklärung: „Ich liebe die Kirche, gerade jetzt.“ Es sei wie in einer Ehe: die Treue gelte in guten wie in schlechten Tagen. Die Zeit des Beginns seiner priesterlichen Laufbahn sei eine gute Zeit gewesen: das Zweite Vatikanische Konzil, die Öffnung der Kirche hin auf die Welt von heute. Heute erlebe er die Kirche als eine „gebeutelte, verunsicherte Kirche, die wie gelähmt daher kommt“. Dennoch liebe er diese Kirche und werde ihr, soweit seine Kräfte es zuließen, auch künftig dienen.