„Löst viele Erinnerungen und Fragen aus“

Die 49 je einen Quadratmeter großen Schwarz-Weiß-Fotos von Menschen kurz vor deren Tod und wenige Augenblicke danach „lösen bei den Besuchern viele Erinnerungen und Fragen nach Sterben und Tod aus“, wie Dr. Lothar Elsner, Vorsitzender der Kirchlichen Landesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg (Kilag), feststellt. Die Kilag organisierte die bereits in mehreren Städten weltweit gezeigte und am 1. November von Bischof Gebhard Fürst im Haus an der Königstraße eröffnete Ausstellung.

Der Fotograf Walter Schels machte für die Ausstellung ein Jahr lang in Hospizen Aufnahmen von Menschen in ihrer letzten Lebensphase und nach ihrem letzten Atemzug. Die Journalistin Beate Lakotta dokumentierte Gespräche mit den Sterbenden, ihre Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen. Der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Frank Otfried July, beendet die Ausstellung am 20. Dezember. Die Veranstalter rechnen bis dahin mit insgesamt mehr als 8.000 Besuchern.

Rund 150 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich in der Ausstellung als Aufsichtspersonen, in der Organisation und in der Seelsorge um die Gäste. Unter ihnen bietet auch eine muslimische Zahnärztin Führungen und seelsorgliche Begleitung an. Elsner betont, dass die Bilder und Texte „ein Quadratmeter groß auf Augenhöhe“ vielen Besuchern, darunter rund 1.000 Schülerinnen und Schüler, „die Scheu vor dem Umgang mit Sterben und Tod genommen hätten“. Eine Frau etwa sei in der vergangenen Woche sehr rasch durch die Ausstellung gegangen und habe auf die Frage, ob sie Begleitung wünsche, geantwortet: „Nein, ich weiß jetzt, dass es meinem Mann gut geht.“ Dieser sei vor wenigen Tagen erst gestorben.

Zu der mehrfach ausgezeichneten Ausstellung gibt es einen mit dem Deutschen Fotobuchpreis gewürdigten Band von Schels/Lakotta „Noch mal Leben vor dem Tod – wenn Menschen sterben“. Die Organisatoren bieten ein von der Landesstiftung Baden-Württemberg unterstütztes Begleitprogramm mit wissenschaftlichen, kulturellen und spirituellen Veranstaltungen an. Es handelt sich dabei um ein Angebot der Landesstiftung im Rahmen ihres Programms „Neue Brücken bauen …. zwischen Generationen, Kulturen und Institutionen“.

In der Kilag zusammengeschlossen sind die Institutionen für Erwachsenenbildung der Diözese Rottenburg-Stuttgart, der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, der Erzdiözese Freiburg, der Evangelischen Landeskirche in Baden und der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Hinweis: Die Ausstellung ist täglich geöffnet von 9 bis 20 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr. Weitere Informationen bei der Kirchlichen Erwachsenenbildung (keb) der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Anke Sindermann, Jahnstraße 32, 70597 Stuttgart, www.noch-mal-leben-stuttgart.de

Uwe Renz