Martin von Tours am „Eingangstor“ zur Rottenburger Innenstadt

Der Bildhauer Professor Karl Ulrich Nuß aus Weinstadt-Strümpfelbach hat sie geschaffen, rechtzeitig zum 60. Geburtstag von Bischof Gebhard Fürst am Dienstag, 2. Dezember. Bischof Fürst hat sie nach dem Festgottesdienst enthüllt und gesegnet.

Die Statue zeigt die Szene, in der Martinus, damals noch in Amiens stationierter römischer Offizier, mit einem frierenden Bettler seinen Mantel teilt. Später, so erzählt die Martinuslegende, sei ihm im Traum Christus selbst als dieser Bettler erschienen. Bemerkenswert an der Skulptur von Karl Ulrich Nuß ist, dass Martinus nicht auf dem Pferd sitzend dargestellt wird, sondern zu Fuß und auf gleicher Höhe wie der Bettler. Das Pferd ist ausgestanzt aus einer Stahlwand, in die sich die Begegnungsszene nach hinten fortsetzt.

Nicht „hoch zu Ross und von oben herab“, so Bischof Fürst in einer kurzen Ansprache bei der Enthüllung, sei Martinus dem Bettler begegnet, sondern „auf Augenhöhe“. Er habe nicht erster Linie einen Mantel geteilt, sondern seine Liebe und seine Anteil nehmende Solidarität. Es sei eine Szene der „Selbst-Mitteilung“, in der sich die „Selbst-Mitteilung Gottes in Jesus Christus“ spiegele. Das Verhältnis von Schenkendem und Beschenktem werde in dieser Skulptur austauschbar. Sie werde so zu einem wegweisenden Symbol der Kirche, der Pastoral, der gelebten Caritas, in der es darum gehe, Menschen als Subjekte ernst zu nehmen, sie in ihrer Würde zu achten und in ihrem Personsein zu stärken. „Eine Kirche, die Anteil nimmt und Anteil gibt, wird selbst reich und beschenkt“, sagte Bischof Fürst. Außerdem, so der Bischof, stehe die Skulptur nicht auf einem hohen Sockel, sondern sei ebenerdig „begehbar“. „Wir können ganz nahe hingehen, uns neben die dargestellten Personen stellen, diese erkunden, nach unserem eigenen Part in dieser Szene suchen. Wir können uns dabei sowohl als Schenkende als auch als Beschenkte erfahren“, erläuterte Bischof Fürst. Die Skulptur sei für ihn auch ein Symbol für die Kirche als „Ort, als Sakrament der Christusbegegnung“.

Für Bischof Gebhard Fürst ist der heilige Martin von Tours eine Leitfigur der Pastoral seiner Diözese. In seiner Gestalt trete anschaulich vor Augen, „was einen Christenmenschen ausmacht“, und sie erinnere daran, „dass die Kirche Jesu Christi eine diakonische, eine helfende, eine heilende Kirche ist“. Martin von Tours als Heiliger an der Wiege des christlichen Europa sei heute von großer Aktualität, betonte der Bischof. Er sei besorgt, dass im zusammenwachsenden Europa die soziale Dimension des Zusammenlebens Schaden nehme und immer mehr Menschen unter die Räder kommen. „Es würde eine Verarmung der religiösen und der kulturellen Seele Europas bedeuten, wenn das christliche Gebot der Nächstenliebe als Grundlage europäischer Humanität in Vergessenheit geriete“, sagte Bischof Fürst. Martinus sei eine bleibende Aufforderung zur Wachsamkeit.

Bischof Gebhard Fürst hat sich anstelle persönlicher Geburtstagsgeschenke einen Beitrag zur Finanzierung der neuen Rottenburger Martinus-Skulptur gewünscht. Dadurch fühle er sich reich beschenkt, betonte er. Er seinerseits wolle dieses Kunstwerk „am Eingangstor zur Rottenburger Innenstadt“ der Stadt Rottenburg als der Bischofsstadt seiner Diözese schenken.