„Meilenstein in der Geschichte“

So dokumentiere die 1965 verkündete Konzilserklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen „Nostra aetate“ eine ganz neue Sichtweise, betonten der Bischof und die sieben Islamrepräsentanten, bei einem Treffen am Montagabend in Stuttgart. Die Begegnung hat Tradition seit 2006; sie fand zum siebten Mal statt.

Das ursprünglich nur mit Blick auf das Verhältnis zum Judentum geplante Dokument „Nostra aetate“ habe sich geöffnet für alle Religionen der Welt, betonte Bischof Fürst. In diesem neu geklärten Verhältnis habe das Konzil aufgezeigt, dass die katholische Kirche in Verantwortung für die Einheit der Menschen stehe und Gemeinsamkeiten anerkenne, „in denen auch in den anderen Religionen das Wirken des einen Gottes sichtbar wird“. Dies fordere zu offener inhaltlicher Auseinandersetzung in gegenseitiger Wertschätzung heraus, so Bischof Fürst. Er hob in diesem Zusammenhang hervor, dass jeder katholische Christ auf der Welt „Nostra aetate“ verpflichtet sei.

Ferid Kugic von der Islamischen Gemeinschaft würdigte in seinem Vortrag das Engagement der Diözese Rottenburg-Stuttgart für den christlich-muslimischen Dialog und hob besonders Kooperationsprojekte der Akademie der Diözese hervor. Die Gründung eines islamischen Zentrums an der Universität Tübingen wäre ohne das Bemühen der Akademie nicht möglich gewesen, so Kugic. Er bezeichnete das Dokument „Nostra aetate“ als Kehrtwende im Denken, als kopernikanische Wende und verwies auf islamische Schriften, die ebenfalls den Dialog mit Gläubigen anderer Religionen fordern.

Kritisch mahnte Kugic an, der christlich-muslimische Dialog in Deutschland habe zwar neben Großbritannien das höchste Niveau erreicht, aber „einige Vorurteile“ über den Islam, die vor allem nach dem Terroranschlag vom 11. September 2001 teils massiv wiederbelebt worden seien, müssten ausgeräumt werden. Kugic verwies darauf, dass Christen und Muslime mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen.

Bischof Fürst unterstrich, unterschiedliche religiöse Überzeugungen könnten und dürften nicht im Interesse eines möglichen Konsenses eingeebnet werden. Letztlich sei gegenseitiger Respekt nötig vor jener Wahrheit, die von den jeweils anderen Religionen unterschiedlich erkannt werde und sich auch in unterschiedlicher Lebensführung ausdrücke. Das Konzilsdokument „Nostra aetate“ biete eine verlässliche Basis für kontinuierlichen interreligiösen Austausch in Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung, betonte der Bischof.

Uwe Renz