Menschen brauchen Orte des Heiligen

Die Dimension des Heiligen gehöre zum Innersten des Menschen und rage zugleich weit über den Horizont der eigenen Wünsche hinaus, betonte der Bischof. Sie müsse unbedingt bewahrt und gestaltet werden, wenn man sich nicht allein an kurzfristige Bedürfnisse, wirtschaftliche Interessen und eine absolut gesetzte Diesseitigkeit halten wolle. „Wo der Mensch die Dimension des Heiligen vergisst oder auch bewusst auszuschalten versucht, hört er über kurz oder lang auf, Mensch zu sein.“ Eine solche Verdrängung des Heiligen könne auch durch Entscheidungen geschehen, „die zur Umnutzung oder gar zum Abbruch von Kirchen und Kapellen führen“, sagte Bischof Fürst. Man dürfe die Zeichenhaftigkeit solcher Handlungen nicht unterschätzen. Den Menschen würden dadurch Orte weggenommen, die für ihr Leben von zentraler Bedeutung seien. Denn Kirchen, so Bischof Fürst, seien „Orte, die Heimat und Geborgenheit bieten, an denen Sinn gefunden werden kann“. Menschen bräuchten solche Stätten, „der Verehrung und Anbetung, in denen der Atem des ganz Anderen wohnt, an denen spürbar das Heilige begegnet und uns herausfordert“. Solche Stätten und Räume zu gestalten, bedeute, dem „Drama des form- und haltlos gewordenen Menschen“ und der „Entwicklung einer wirklicher Transzendenz verlustig gegangenen Zeit“ entgegenzuwirken, sagte Bischof Gebhard Fürst.

Am Donnerstag ist die Öffentlichkeit im Rahmen der Diözesanbaumeistertagung zu einem öffentlichen Forum unter dem Thema „Stadt-Architektur-Kirche“ eingeladen. Architekten, Theologen, Seelsorger und Soziologen befassen sich in verschiedenen Referaten mit dem Beitrag kirchlicher Architektur zu einer humanen Stadt. Der Tag beginnt um 9 Uhr. Um 20 Uhr fassen die Referenten die Thematik in einer Podiumsdiskussion zusammen. Der Eintritt ist frei. Ort: Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart – Tagungszentrum Hohenheim, Paracelsusstraße 91, 70599 Stuttgart (Hohenheim), Tel. 0711 / 45 10 34 – 600