Menschen, die durch erkennbare Lebensspuren identifizierbar sind

Dies hat Bischof Gebhard Fürst bei einem Besuch in dem interdiözesanen Seminar St. Lambert in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Grafschaft-Lantershofen (Kr. Ahrweiler) betont. In dem seit 1972 bestehenden Studienseminar, das erst kürzlich als Hochschule päpstlich anerkannt worden ist, können sich junge Männer auf den Priesterberuf vorbereiten, die keine Möglichkeit zu einem regulären Theologiestudium haben. Sie müssen mindestens 25 Jahre alt sein und eine abgeschlossene Berufausbildung vorweisen.

Bischof Fürst ermutigte seine Zuhörer, die voraus gegangene Lebens- und Berufsgeschichte nicht auszublenden, sondern bewusst in ihren Dienst als Priester einzubringen. Es gehe darum, „die eigenen Erfahrungen in die Frohbotschaft hineinzutragen“, um „authentische und glaubwürdige Zeugen“ sein zu können. Dazu ist es nach den Worten des Bischofs ebenso notwendig, Hörer des Wortes zu sein, sich von der Botschaft des Evangeliums verwandeln zu lassen und eine immer neue Umkehr des Herzens zu vollziehen. „Eine missionarische Kirche“, so Bischof Fürst, „entwickelt gerade so ihre Kraft, dass Menschen ihre konkreten Geschichten und Erfahrungen einbringen können.“ Für ein solches Glaubenszeugnis gelte nach den Worten des Johannes-Evangeliums, „wovon wir überzeugt sind, davon reden wir, was erfahren haben, das bezeugen wir“.

Aus einer etablierten beruflichen Situation der Berufung zum Priester zu folgen ist nach den Worten des Bischofs „eine entscheidende Lebenswende von existenzieller Bedeutung“. Sie könne mit Anfragen, Zweifeln, inneren und äußeren Widerständen verbunden sein. Aber jeder Mensch sei berufen, sich „auf das Bild hin zu entwickeln, das er werden soll“. Dieser Ruf sei, so Bischof Fürst, „eine heilsame Unruhe“ und bedeute „die lebenslange Aufgabe, seine Berufung und deren angemessene Gestalt kennen zu lernen, sie zu ergreifen, sich auf den Weg zu machen“.

Die Lantershofener Hochschule St. Lambert liegt in der Diözese Trier, die Studierenden dort kommen aber aus fast allen deutschen Diözesen. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart stellt vom kommenden Trimester an mit zehn angehenden Theologen die stärkste Gruppe unter den 70 Seminaristen. Bischof Gebhard Fürst entsendet den Rottenburger Diözesanpriester Thomas Pitour ab September für drei Jahre als Subregens, als stellvertretenden Leiter, nach Lantershofen.