„Menschen im Glauben fördern“

Vor fünf Jahren hat Bischof Gebhard Fürst die Stiftung gegründet, um durch sie das pastorale Vermächtnis seines Vorgängers zu bewahren. „Menschen im Glauben fördern“ lautet das Motto der Stiftung, die damit einen Leitgedanken des noch heute wegen seiner charismatischen Ausstrahlung populären 9. Bischofs der württembergischen Diözese aufgreift. Der Stiftungszweck sieht vor, mit deren Erträgen langfristig dazu beizutragen, dass die personelle Ausstattung der Seelsorge auch in Zeiten rückläufiger Finanzen erhalten werden kann. Kurzfristig unterstützt sie innovative pastorale Projekte. Das ursprünglich eingesetzte Stiftungskapital von 300.000 Euro hat sich inzwischen verzehnfacht, bedarf aber zur Realisierung des Stiftungszwecks durchaus weiterer Zuwächse, wie Stiftungsvorstand Pfarrer Kilian Nuß betonte.

Rund 30 Gäste – Freunde, Spender und Zustifter, aber auch Verantwortliche in den geförderten Projekten – waren der Einladung nach Rottenburg gefolgt, um sich über aktuelle Entwicklungen der Stiftung zu informieren und über den weiteren Ausbau des Unterstützernetzwerks zu beraten.

Vorgestellt wurde das Projekt „Junge Erwachsene“ des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart durch die Projektverantwortliche Ute Rieck. Kirchengemeinden werden darin beraten und unterstützt, wie sich ihre Pastoral der Zielgruppe junger Menschen verstärkt zuwenden kann, die der Jugendarbeit entwachsen sind, aber auch noch nicht durch die Angebote für junge Familien erreicht werden. Dass die 15 inzwischen entstandenen Treffs für junge Erwachsene in der Diözese einen regen Zulauf verzeichnen können, zeigt, dass gerade bei diesem Personenkreis ein großer Bedarf besteht.

Die von der Stiftung geförderte „City-Pastoral“ in Esslingen entwickelt Formen der Seelsorge, die den religiösen Bedürfnissen moderner Großstadtbewohner entspricht. In heute gebräuchlichen Begriffen gesagt, wird die traditionelle „Komm-Struktur“ der Seelsorge in eine „Geh-Struktur“ gewendet, die sich auch über die Pfarreigrenzen hinaus orientiert. „Wir weiten uns über die Kirchengemeinde hinaus und gehen zu den Menschen“, betonte der verantwortliche Pastoralreferent Michael Schindler.

Christine Czeloth-Walter, Referentin im Fachbereich Senioren des Bischöflichen Ordinariats, stellte das Projekt Altenheimsseelsorge vor. Bereits im Jahr 2001 wurde in der Diözese Rottenburg-Stuttgart ein Konzept für die Altenheimseelsorge entwickelt. Der wachsende Bedarf an seelsorgerlicher Begleitung von Menschen in der vierten Lebensphase stellt die Kirchengemeinden vor eine zunehmende wichtige Aufgabe. Das durch die Bischof-Moser finanziell geförderte Ulmer Zentrum für Altenheimseelsorge ist – neben entsprechenden Aktivitäten in Böblingen, Crailsheim, Nürtingen und Schwäbisch Gmünd – eines der fünf Zentren, wo durch hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger die Kirchengemeinden beraten und unterstützt werden, um dieser Entwicklung gerecht zu werden. Diese Aufbauarbeit, so Czeloth-Walter, erfordere eine intensive Beziehungsarbeit zu den Gemeindeseelsorgern vor Ort und zu den Heimleitungen. Jährlich wird im Rahmen des zunächst auf drei Jahre angelegten Projekts eine Zukunftswerkstatt für Interessierte dieses Aufgabenbereichs angeboten.
Die Pastoralreferentin Angelika Böhm ist das „Gesicht“ in einem Café mit Tee- und Kaffeespezialitäten in einem Ravensburger Stadtteil, der einen Migrantenanteil von 70 Prozent aufweist und als Sozialer Brennpunkt gilt. Dieses „niederschwellige“ Angebot der Sozialarbeit, zu dem inzwischen auch eine dreisprachige Bibliothek gehört, wird zur Zeit vor allem von aus Russland zugewanderten Müttern mit ihren Kindern besucht.

Der Kinderhospizarbeit widmet sich seit zehn Jahren die Kirchengemeinde in Kirchheim unter der Teck. Sie kümmert sich um Familien mit sterbenden Kindern, aber auch um Kinder, die den Tod eines nahen Angehörigen verkraften müssen, erläutert Diakon Georg Hug, der für diese Aufgabe mit einem Teilauftrag freigestellt ist. Um diese Tätigkeit zu finanzieren, wurde eine Stiftung ins Leben gerufen, die unter dem Dach der Bischof-Moser-Stiftung verwaltet wird. Deren eigene finanzielle Beteiligung dient der Ausbildung von Trauerbegleitern.

Ebenfalls durch die Bischof-Moser-Stiftung verwaltet wird der Stiftungsfonds St. Wolfgang in Reutlingen. Gerhard Egbers, emeritierter Professor für Maschinenbau und langjähriger 2. Vorsitzender des Kirchengemeinderats, erläuterte, dass mit diesen Mitteln die Promotion ausländischer Priester an der Tübinger Katholisch-Theologischen Fakultät ermöglicht werden soll. Zugleich sind diese Doktoranden mit Teilaufgaben in den umliegenden Pfarreien tätig – ein aktiver Beitrag zur Linderung des Priestermangels. Bei Erreichen des erforderlichen Kapitalstocks soll der Fonds in eine eigene Stiftung unter dem Dach der Bischof-Moser-Stiftung eingebracht werden.

Und schließlich erfuhren die Gäste der Stiftungsfeier auch, dass mit Mitteln der Stiftung nebenamtliche Organisten für die Kirchengemeinde ausgebildet werden. Um jungen Menschen eine solche Ausbildung zu ermöglichen, übernehmen die Stiftung, die jeweilige Kirchengemeinde und die angehenden Kirchenmusiker selbst jeweils ein Drittel der Ausbildungskosten.