Menschen retten ist Christenpflicht

Rottenburg. 25. Dezember 2014. In seiner Weihnachtspredigt hat der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst jegliches Schüren von Fremdenangst deutlich kritisiert. Wer unter dem Vorwand, das christliche Abendland vor Überfremdung bewahren zu wollen, Flüchtlingen Hilfe verwehre, verrate christliche Werte, auf denen eben das Abendland gründe“, sagte der Bischof am Donnerstag im Rottenburger Dom St. Martin. Wer christliche Weihnachtslieder singe, wie dies auch Tausende Pegida-Anhänger bei ihrer Demonstration in Dresden getan hätten, müsse den Sinn der Lieder erfassen. Diese Lieder drückten aus, dass Gott mit den Notleidenden und Heimatlosen sei. Damit seien Christen aufgerufen, „Flüchtlingen und allen Menschen in Not zu helfen, welcher Religion auch immer“.

Bischof Fürst unterstrich, die Weihnachtsgeschichte zeige Gottes Solidarität mit den Notleidenden und Hilfebedürftigen. Als Kind habe sich Gott den Menschen ausgeliefert, sei schutzbedürftig zu den Geringsten der Geringen herabgestiegen, abgelehnt worden und zur Flucht gezwungen worden, sagte der Bischof. „In Not, Elend und Vertreibung hat Gott seine Herrlichkeit gezeigt und in Christus mit den Leidenden gelitten.“ Christen seien aufgerufen, diesem Beispiel zu folgen und sich der Menschen anzunehmen, die in Not geraten sind. „Das gegenwärtige Flüchtlingsdrama muss uns berühren, es berührt auch Gott.“

Allen in der Flüchtlingshilfe engagierten Frauen und Männern dankte Bischof Fürst ausdrücklich. Sie seien ein überzeugendes Vorbild der Nachfolge Christi. „Ihr Beispiel lässt glaubwürdig aufleuchten, dass Gott heute besonders dort heilvoll wirkt, wo Menschen in ihrem Leben gefährdet sind und gerettet werden.“ Solch entschiedenes Handeln sei das entwaffnendste Mittel gegen die Angst vor Überfremdung.

Uwe Renz