Menschenwürde steht im Zentrum des wissenschaftlichen Werkes

Bei einem Festakt der Katholisch-Theologischen Fakultät und des Interfakultären Zentrums für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) an der Universität Tübingen zur Verabschiedung des international renommierten Gelehrten am Freitagabend (8. Januar) hob Bischof Fürst hervor, Mieth habe unzähligen Menschen an der Universität und weit über den universitären Rahmen hinaus „den Zugang zu den wissenschaftlichen Tiefen unseres Glaubens und zu einer zeitgemäßen Gestalt ethischen Denkens“ erschlossen. In der großen Bandbreite von Mieths Schaffen seien nach dessen eigenem Bekunden die Themen der Menschenwürde von zentraler Bedeutung gewesen. Ebenso sei es ihm aber auch um die gegenseitige Anerkennung von Rechten und Pflichten, um die Bewertung der Folgen menschlichen Handelns und um Maßstäbe der Verträglichkeit und nicht zuletzt um Fragen einer demokratischen Wertordnung und um „die Möglichkeit religiöser Sensibilisierung der Ethik“ gegangen. Diesen weiten Horizont, so Bischof Fürst, sei Professor Mieth „in großer Souveränität in immer neuen Anläufen und mit nicht nachlassender Unermüdlichkeit“ abgeschritten. Mieth habe den Dialog auf Augenhöhe mit den philosophischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen der Gegenwart geführt, diese Erkenntnisse aber auch unter dem Anspruch einer theologisch-christlichen Grundhaltung beleuchtet. Mit der theologisch-philosophischen Tradition sei er ebenso gut vertraut wie mit der mittelalterlichen Mystik, den biotechnologischen Wissenschaften oder der zeitgenössischen Dichtung. Der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Deutschen Bischofskonferenz sei Mieth stets „über die Maßen und weit über den dienstlichen Auftrag hinaus“ mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Auch für ihn persönlich, so der Bischof, sei der Ethiker selbstverständlich und oft kurzfristig für das Gespräch zur Verfügung gestanden, wenn Beratung oder Intervention bei heiklen und differenzierten Themen notwendig gewesen seien.

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Dietmar Mieth, 1940 in Berlin geboren, war nach Assistenzzeit und Habilitation in Tübingen von 1974 bis 1981 Professor für Moraltheologie an der Universität Fribourg (Schweiz). Von 1981 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2008 hatte er den Lehrstuhl für Theologische Ethik unter besonderer Berücksichtigung der Gesellschaftswissenschaften an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen inne, den er bis jetzt weiterhin vertreten hat. Mehrfach war er Dekan der Tübinger katholischen Fakultät. In Tübingen war er auch Mitinitiator und langjähriger Vorstandssprecher des Interfakultären Zentrums für Ethik in der Wissenschaften (IZEW). Mieth ist Autor eines umfangreichen wissenschaftlichen Schrifttums zur theologischen Ethik. Neben zahlreichen Gastprofessuren und Mitgliedschaften in wissenschaftlichen Gremien in Deutschland sowie auf europäischer und internationaler Ebene war er Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Ethikbeirats des Bundesgesundheitsministeriums (1999 – 2002), Gründer und Sprecher des Ethiknetzwerks Baden-Württemberg (2000 – 2009) und Mitglied der Enquête-Kommission Ethik und Recht der modernen Medizin des Deutschen Bundestags (2003 – 2005). Seit April 2008 ist er Präsident der Meister Eckhart-Gesellschaft. Derzeit ist Dietmar Mieth auch Mitglied der Unterkommission Bioethik der Deutschen Bischofskonferenz. Im Jahr 2007 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland geehrt.

Dr. Thomas Broch